Ordnung und Chaos

Wenn man ständig alles zu erkennen versucht, und so viel wissen will, bekommt man irgendwann Probleme. Es wird komplex. Richtig mächtig komplex. Und dem geneigten Programmierer, der es gewohnt ist große Gebilde in seinem Kopf zu konstruieren und dann in Teilprobleme zu zerlegen, liegt es natürlich nahe die Dinge zu ordnen. Kategorien, Hierarchien, Strukturen, Ablagesysteme, Netzwerke, Diagramme, Abläufe, Chronologien, irgendwas. Es muss einfach eine Struktur geben. Also macht man sich auch danach auf die Suche.

Und, oh Wunder, stellt fest das man nicht der erste ist, nicht der letzte sein wird, und Teil einer ganzen Reihe erfolglos suchender ist. Der Baum des Wissens lässt sich nicht aufmalen. Er will einfach nicht. Man mag unzählige Methoden der Darstellung nehmen, es gibt immer Querverbindungen die einem das Spiel verderben. Letztendlich ist die Variante der Hypertext-Verlinkung zu einem beliebig komplexen Netz vielleicht der einzig realistische, wenngleich ebenso unübersichtliche Weg. Die Wikipedia ist ein schönes Beispiel. Wenn ich etwas suche finde ich es, und bekomme Querverweise dazu. So weit so gut. Wenn ich aber das gesamte Geflecht erfassen will, oder den einen Punkt finden an dem ich anfangen muss um alles daraus zu lernen? Vergeblich. So funktioniert das einfach nicht.

Ergo: Strukturieren und Kategorisieren ist eine tolle Sache, wenn ich in einem kleinen wohldefinierten Ausschnitt meiner Welt bleibe, mit festgelegtem Vokabular, und darin wohldefinierte Themen habe. Aber die Welt funktioniert so nicht.

Also können wir immer nur unsere kleinen ausgesuchten Domänen aufmalen, abbilden, ausprogrammieren. Aber wehe wir wollen darüber hinaus. Dann gibt es jede Menge Namenskonflikte und unzählige Querverbindungen. Das Problem ist nicht gelöst. Das Problem fällt jedem auf die Füße. Immer wieder. (wer es nicht glaubt, versuche mal eine „Weltdatenbank“ zu designen. Fangt mit einer Personendatenbank an, erweitert Stück für Stück um die Attribute einer Person, Adressen, Jobs, Kontaktdaten, Beziehungen zwischen Personen können dann schon verwandschaftlicher Art oder beruflicher Art sein, oder freundschaftlicher Art? Probiert es einfach … 😉 )

Dabei ist das Problem ganz natürlich, und liegt kein bisschen an der Natur. Ich habe mal ein schönes Beispiel gesehen: Ein Mann hält einen Stapel Papier. Sagen wir ein Buch, aber die Seiten sind lose. Das Papier liegt in der richtigen Reihenfolge. Alles ist gut, alles ist so wie es sein soll. Dann wirft der Mann den ganzen Stapel in die Luft, alles segelt durch die Gegend und kommt in einer wilden Verteilung zum liegen. Es ist zum Chaos geworden. Nun könnte man meinen die Verteilung ist zufällig. Gut, ist sie ja in gewissem Sinne auch. Wenn wir den ganzen Haufen wieder in die Luft werfen, entsteht wieder ein wilder Haufen, eben eine neue Verteilung. Aber egal wie oft wir den Haufen werfen, es entstehen immer wieder neue wilde Verteilungen. Es entsteht nur nie ein sortiertes Buch daraus. Nun könnte man schlussfolgern das die Natur das Chaos bevorzugt. Aber tut sie das? Eigentlich erzeugt die zufällige Verteilung immer neue Papierhaufen. Und eigentlich, wenn es wirklich zufällig ist, würde irgendwann, wenn wir nur oft genug werfen, auch wieder ein Buch draus entstehen, rein zufällig würde die Seiten richtig fallen. Nur die Wahrscheinlichkeit dafür ist einfach unglaublich gering. Das liegt nicht an einer Vorliebe der Natur, sondern ganz einfach daran das es unzählige Varianten gibt in denen das Papier fallen kann, wirklich unglaublich viele! Nennen wir die Anzahl der Möglichkeiten einfach mal unendlich. Und die sortierte Reihenfolge eines Buches, ist eben nur eine Möglichkeit von unendlich vielen. Also ist es nicht die Natur die das Chaos bevorzugt, sondern wir Menschen sind es, die sich einen von unendlich vielen Zuständen als Ordnung ausgesucht haben. Nur das diese von uns ausgesuchte Ordnung eben sellten eintritt, wenn wir sie nicht explizit erzeugen. Nicht der Natur wegen, sondern weil die Wahrscheinlichkeit 1 zu unendlich steht.

Damit schließt sich der Kreis. Wir kriegen den Überblick nicht hin. Wir können keine echte allgemeingültige Strategie finden. Wir müssen aber trotzdem Wissen was los ist. Und das Wissen ist groß, zu groß für einen Kopf allein. Was nun? Schießen und bewegen!

 

MfG

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