Helmut Schmidt

Helmut Heinrich Waldemar Schmidt, der Elder Statesman, die Schmidt-Schnauze, der 24-fache Ehrendoktor. Geboren am 23. Dezember 1918, gestorben am 10. November 2015.

 

Verteidigungsminister Helmut Schmidt.jpg

Lebensanfang

Mit 15 Jahren trat Helmut Schmidt über Umwege der Marine-Hitlerjugend bei weil sein Ruderverein eingegliedert wurde. Zwei Jahre später flog er raus, wegen „zu flotter Sprüche“. 1937 wurde er zum Wehrdienst eingezogen. Bei dem Prozess gegen die Attentäter vom 20. Juli 1944 wurde er als Zuhörer abkommandiert, ließ sich aber von der Zuhörerschaft entbinden weil ihn das Verhalten der Richter anwiderte. Später äußerte er sich an der Westfront kritisch über das NS-Regime, wofür er vor Gericht gestellt werden sollte. Seine Vorgesetzten konnten das verhindern indem sie ihn durch ständige Versetzungen dem Zugriff entzogen. Gegen Ende des Krieges geriet Schmidt in britische Kriegsgefangenschaft. Zu dieser Zeit war er 26 Jahre alt.

Politik

Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft schloss sich Helmut Schmidt 1945 der SPD an. Zu seiner Motivation für politische Arbeit sagte er später:

Ehrgeiz ist ein Begriff, den ich auf mich nicht anwenden würde; natürlich lag mir an öffentlicher Anerkennung, aber die Antriebskraft lag woanders. Die Antriebskraft war typisch für die Generation, der ich angehört habe: Wir kamen aus dem Kriege, wir haben viel Elend und Scheiße erlebt im Kriege, und wir waren alle entschlossen, einen Beitrag dazu zu leisten, dass all diese grauenhaften Dinge sich niemals wiederholen sollten in Deutschland. Das war die eigentliche Antriebskraft.

1961 bis 1965 war er Senator in Hamburg. In diese Zeit fiel 1962 die große Sturmflut in Hamburg. Hier machte Schmidt sich einen Namen weil er ohne gesetzlichen Rückhalt Hilfe über Polizei, Rettungsdienste, Bundeswehr und sogar NATO-Bündnispartner organisierte. Seine Worte zu dieser Zeit:

Ich habe das Grundgesetz nicht angeguckt in jenen Tagen.

1969 bis 1974 war er Minister, vor allem Verteidigungsminister. In dieser Zeit wurde die Wehrpflicht von 18 auf 15 Monate reduziert und zwei Bundeswehr-Universitäten gegründet.

1974 bis 1982 war er der 5. Bundeskanzler. In diese Zeit fielen Krisen die den meisten Politikern heute die Haare zu Berge stehen lassen würden. Die Wirtschaftsrezession, die Ölkrise und die Rentenfinanzierung würden schon reichen. Hinzu kommt der „Deutsche Herbst„, der Terror der RAF. Hans Martin Schleyer und die Landshut sind dabei zur zwei Stichworte.

Währenddessen verbesserte Helmut Schmidt in seiner Amtszeit die deutsch-französischen Beziehungen. Er verbesserte damit auch die europäische Integration und legte Grundsteine für eine Reihe heute etablierter Institutionen: Europäischer Rat, Weltwirtschaftsgipfel, Europäisches Währungssystem, Europäische Währungseinheit (ECU) und die Gruppe der 7 (G7).

Post-Politische Tätigkeit

Nach seiner Abwahl als Bundeskanzler übernahm Helmut Schmidt kein politisches Amt mehr. Er blieb aber unverändert aktiv, genau wie seine Frau Loki. Er war Mit-Herausgeber der der Zeitschrift „Die Zeit“, schrieb Bücher, hielt Vorträge, und war ein gefragter Ratgeber. Er unterhielt in seiner Wohnung die Freitagsgesellschaft und veröffentlichte deren Inhalte.

Schlusswort

Helmut Schmidt war einer der sagte was er dachte, und zwar was er selber dachte. Und er sprach nachdem er selber dachte, etwas das er vielen Standesgenossen von heute weit voraus hat. Helmut Schmidt hatte keine Angst anzusprechen was er für besprechenswert oder notwendig hielt. Er sprach ohne Furcht auch die unbequemsten Themen an. Ebenfalls etwas das er vielen Standesgenossen von heute voraus hat.

Helmut Schmidt war der Philosoph unter den Politkern. Er war einer dem ich immer gern zuhörte und mit dem ich gerne geteilter Meinung war. Er gehört zu den Menschen mit denen ich wirklich gern ein Gespräch geführt hätte. Er hatte sowohl den nötigen Ernst als auch den nötigen Humor. Er war ein Original, er war völlig zu Recht ein „Elder Statesman“. Ich werde ihn vermissen, und ich denke wir werden früher oder später alle anfangen Männer wie ihn zu vermissen. Es gibt nicht mehr viele davon.

Wer ihn im Original hören möchte findet auf Youtube reichlich Material.

Die letzten beiden Worte überlasse ich Helmut Schmidt. Seine beiden besten Seiten:

 

Ich war immer einer, der auf grobe Keile, auch grob zurück keilt. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

Helmut Schmidt im Wahlkampf 1976

 

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich’s Wetter oder es bleibt wie es ist. Das könnte man als eine Teil-Weisheit am Ende eines politischen Lebens auch ziehen.

Helmut Schmidt im Fernseh-Interview

 

 


 

https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Schmidt

https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lpreiskrise

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Schleyer-Entf%C3%BChrung

https://de.wikipedia.org/wiki/Entf%C3%BChrung_des_Flugzeugs_%E2%80%9ELandshut%E2%80%9C

https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Rat

https://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftsgipfel

https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4isches_W%C3%A4hrungssystem

https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_W%C3%A4hrungseinheit

https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppe_der_Sieben

https://de.wikipedia.org/wiki/Freitagsgesellschaft

https://www.youtube.com/results?search_query=helmut+schmidt

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