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Nikolaus

Heute ist der 06. Dezember. Nikolaus. Wer war eigentlich der Nikolaus?

 

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Nikolaus von Myra

Nikolaus von Myra war/ist ein Heiliger der Kirche. Er war der Bischof von Myra, welches südlich von Antalya in der heutigen Türkei liegt und heute Demre heißt. Demre ist ein kleiner Ort, aber zu der Zeit von Nikolaus (etwa Anfang des 4. Jahrhunderts, also zwischen 300 und 350 nach Christus) war dieser Ort ein Bischofssitz. Zu dieser Zeit war die Gegend auch noch Teil des römischen Reiches. Später wurde es das byzantinische Reich, heute ist es die Türkei.

Legenden des Nikolaus

Um Nikolaus ranken sich zahlreiche Legenden. So soll er einer armen Familie geholfen haben. Der Vater hatte nicht genug Geld um seine drei Töchter zu verheiraten (damals brauchte es noch eine Mitgift). Er wollte sie schon zu Prostituierten machen (damals eine der wenigen möglichen Lösungen). Nikolaus war in drei aufeinander folgenden Nächten je einen Goldklumpen durch das Fenster der Familie. Auf dieser Legende basiert die gelegentliche Darstellung des Nikolaus mit drei goldenen Kugeln oder drei goldenen Äpfeln. Die Legende der Mitgiftspende.

Zum Patronen der Seefahrer wurde er basierend auf der Legende von der Stillung des Seesturms. Ein Schiff geriet in einen Sturm, die Seeleute beteten zum heiligen Nikolaus. Darauf erschien ein Unbekannter, ließ den Sturm abflauen und navigierte das Schiff sicher heim. Danach verschwand er wieder. Als die Seeleute in die Kirche des Nikolaus kamen, um zum Dank zu beten, erkannten sie ihn wieder.

Das Wunder der Heimführung des verschleppten Kindes dreht sich um ein Ehepaar das sich erfolglos ein Kind wünschte. Der Vater wollte Nikolaus um Hilfe bitten, kam aber zu spät und erlebte nur noch die Beisetzung. Er nahm ein Stück Tuch mit auf dem Nikolaus gebettet war. Ein Jahr später bekam das Paar ein Kind. Als das Kind in die Sklaverei verschleppt wurde kehrte es wiederum ein Jahr später zurück. Ein Wirbelsturm erfasste es und setzte es direkt vor der Kirche des Nikolaus ab, wo die Eltern um seine Rückkehr beteten.

Die Erweckung eines Jungen handelt von einem Vater der jedes Jahr zu Ehren des Nikolaus ein Fest feierte. Eines Abends klopfte der Teufel in Gestalt eines Pilgers an der Tür und bat um Almosen. Der Sohn des Mannes wollte ihm die Gabe geben, doch der Pilger verschwand. Der Sohn lief ihm nach, bis zu einer Kreuzung, wo der Teufel sich zu erkennen gab und den Sohn erwürgte. Der enttäuschte Vater flehte zu Nikolaus, daraufhin kehrte der Sohn ins Leben zurück.

Die Rettung des ertrunkenen Sohnes handelt von einem Mann der einen Kelch an die Kirche des Nikolaus spenden wollte. Da ihm der Kelch zu wertvoll erschien ließ er eine Kopie anfertigen. Während der Überfahrt nach Myra sollte der Sohn des Mannes mit dem Original Wasser schöpfen, und stürzte in die See. Der Vater kam in Myra an und wollte die Kopie spenden, doch die viel immer wieder vom Altar. Plötzlich stand der Sohn mit dem Original in der Kirche und berichtete das Nikolaus ihn gerettet habe. Der Vater spendete daraufhin beide Kelche.

Alles in allem war Nikolaus ein gnädiger Heiliger. Selbst bei der Bestrafung und Begnadigung eines Betrügers (ein Christ hat eine Juden um Geld betrogen, und vor Gericht mit einem Trick einen Meineid geschworen) wurde der Betrüger zwar zuerst von einem Wagen überfahren, anschließend aber wieder zum Leben erweckt (weil der Betrogene vor lauter Mitleid das Geld nicht mehr haben wollte). Für damalige Verhältnisse und Geschichten waren die Legenden und Wunder des Nikolaus allesamt recht human. Nikolaus schien also einen sanftmütigen Ruf zu haben, vielleicht auch ein wirklich gütiger Mensch zu sein. Auf jeden Fall kamen die Guten bei ihm gut davon.

So oder so, Nikolaus wurde für viele Völker, Fraktionen und Institutionen zum Schutzpatron. Er ist Schutzpatron der Russen, Serben und Kroaten ebenso wie der Seefahrer, Binnenschiffer, Kaufleute, Rechtsanwälte und einer ganze Reihe weiterer Berufe. Weil er Patron so vieler Berufe war wurde er von einigen Vereinigungen auch gleich als Patron übernommen, so übernahm die Hanse ihn als Patron weil er bereits von den Seeleuten und Kaufleuten verehrt wurde. Hinzu kommen dann noch die Schüler, Studenten, Liebende, Gebärende und nicht zuletzt der Kinder.

Vor allem seine vielfache Tätigkeit als Patron und die Legenden um seine Großzügigkeit dürften es sein, die dafür sorgten das an seinem Gedenktag, dem 06. Dezember, der Brauchtum des Nikolaus entstand.

Brauchtum zum Nikolaus

Der hierzulande typische Brauch der gefüllten Schuhe basiert vor allem auf den nächtlichen Geschenken aus der Legende der Mitgift. Im 15. Jahrhundert gab es noch den Brauch kleine Schiffe zu konstruieren (aus Papier oder ähnlichem) in die der Patron seine Gaben legen konnte. Später wurden die Schiffe von Schuhen und Stiefeln oder aufgehängten Socken abgelöst.

Die Befragung der Kinder ob sie denn auch artig waren basiert hingegen auf dem Gleichnis von den anvertrauten Talenten. In der Geschichte sind die Talente das Äquivalent zu Fähigkeiten (Talent: früher Währung, heute Fähigkeit). Die Menschen erhalten Talente und sollen diese gut einsetzen und nutzen. Tun sie das nicht erhalten sie keine Belohnung oder sogar eine Bestrafung. Vor allem letzteres führte zu der Tradition der Rute.

Es ist auch nicht unüblich das der Nikolaus in Begleitung ist. In verschiedenen Traditionen wird der Nikolaus von Krampus, Klausen, Belzebub oder Knecht Ruprecht begleitet, manchmal sogar von einer Nikoloweibl oder ein Engel. In einigen Gebieten findet in der Nacht vor Nikolaus ein Klausentreiben statt oder der ungezähmte Krampus treibt sein Unwesen, während er am Nikolaus-Abend, von selbigem gezähmt, den Kindern ihre Schandtaten vorhält. In anderen Gegenden wird auch gelegentlich die Rolle des Gabenbringers an die Begleiter übertragen.

Vielfältigkeit der moderne

Heutzutage gibt scheinbar unzählbar viele kulturelle Interpretationen zum Nikolaus, ebenso wie es zahlreiche Legenden gibt. Die Reformation und die daraus resultierende Ablehnung der Verehrung der Heiligen führte zu massiven Veränderungen in den Traditionen, die vor allem von der religiösen Ausprägung der jeweiligen Region (katholisch/protestantisch) abhingen. Im Laufe der Jahrhunderte vermischten sich die Bräuche mit lokalem Brauchtum und Mythologie. Durch die unterschiedliche Herkunft der Auswanderer die Amerika besiedelten, inklusive der dortigen Vermischung mit lokaler Kultur und unterschiedlichen Ethnien, führte zu einer neuen Interpretation der Bräuche. Die anschließende mediale Präsenz der USA vor allem in der westlichen Welt führte in nachwachsenden Generationen wieder zu neuen Auffassungen vom Nikolaus. So ist es heute nicht verwunderlich das heute eine massive Vermischung von Nikolaus und Santa Claus sowie dem Nikolaustag und dem Weihnachtsabend zu erkennen ist. Was in der einen Region für den Nikolaus am 06. Dezember gilt, wird in der anderen dem Santa Claus am 24. Dezember angetragen. Vor allem dem amerikanischen Einfluss haben wir wohl auch die vorwiegend Materielle Orientierung der neuesten Traditionen zu verdanken (merkantil könnte man sagen).

Fazit

Trotz aller Vermischungen, der Vielfältigkeit der Tradition und der lokalen Kulturen, eines ist von Nikolaus von Myra definitiv geblieben: Wer gut ist, wird belohnt. Wenn das nicht eine kleine Tradition wert ist.

 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Myra

https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichnis_von_den_anvertrauten_Talenten

https://de.wikipedia.org/wiki/Krampus

https://de.wikipedia.org/wiki/Klausentreiben

https://de.wikipedia.org/wiki/Knecht_Ruprecht

https://de.wikipedia.org/wiki/Buttnmandllauf

https://de.wikipedia.org/wiki/Reformation

https://de.wikipedia.org/wiki/Heiligenverehrung

https://de.wikipedia.org/wiki/Merkantilismus