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2019, Wachstumsjahr

Das letzte Jahr des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends. Klingt kompliziert, und vermutlich sehen das nur diejenigen so die kurz vor Ende des letzten Jahrtausends geboren wurden. Ältere haben genug erlebt um es nicht wichtig zu finden, jüngere kennen keinen Jahrtausendwechsel.

Was war?

Ist 2019 überhaupt etwas wichtiges passiert? Ja, natürlich. Für viele Menschen sind sehr wichtige Dinge passiert. Auch in diesem Jahr wurden neue Kriege angezettelt und alte fortgesetzt. Ich möchte wirklich nicht mit den Menschen in diesen Regionen tauschen.

Aber was ist neu daran? Richtig, nichts. Neue Kriege, alte Kriege. Der Brexit? Immer noch nicht gelöst, eher ein Dauer-Witz. Hat mittlerweile mehrere regierende das Amt gekostet, aber eine Lösung findet keiner. Trump? Auch noch da, aber findet nicht mal mehr die Presse spannend. Selbst von seiner Mauer spricht niemand mehr. Wahlen haben stattgefunden, eine erste weibliche EU-Ratsvorsitzende klingt spannend. Dann schaut man wie das zustanden kam, und stellt fest das sie mit Absprachen und Deals an die Macht kam. Du bekommst den Vorsitz, dafür wir die Finanzen und der da drüben die Umwelt. Neu? Nein, leider nicht. Unter den Talaren der Muff der letzten 70 Jahre, da ändert auch ein Hosenanzug nichts.

Also endet das erste Jahrzehnt mit alten Gewohnheiten? Ja, und das ist gut so. Warum? Weil sie enden. Wenn 2019 etwas gezeigt hat dann die Veränderung die sich nicht mehr leugnen lässt. Sie ist noch klein, unauffällig, versteckt sich in der Berichterstattung die von den alten Medien in gewohnter Weise populistisch aufbereitet wird. Aber wenn man genau hin sieht kann man etwas entdecken.

Die Veränderungen die in den letzten Jahren (siehe auch) zu beobachten waren sind spürbar und wirklich geworden. Demonstrationen sind nicht neu. Das sich unter die Demonstranten Krawall-Produzenten mischen auch nicht. Das die Themen von Populisten ausgeschlachtet werden ebenfalls nicht. Somit werden anfangs ernste Themen nach und nach verwässert und verschwimmen. In der Vergangenheit konnte man als Politiker solche aufkeimenden Demonstrationen aussitzen, wenn es kalt wird gehen die schon wieder nach Hause. Bis da hin hat die Presse was zu tun und man kann in Ruhe Gesetze verabschieden, ohne eine WM dafür veranstalten oder einen Krieg anzetteln zu müssen.

Doch etwas ist anders. Plötzlich gehen Schüler auf die Straße. Schwänzen die Schule und riskieren damit einen persönlichen Nachteil. Dabei geht es nicht mal um ihre persönlichen Belange. Dann bekommen die dafür auch noch Zuspruch. Nicht nur Politiker gehen mit, auch Prominente. Plötzlich passiert das weltweit. Und was noch schlimmer ist, die hören nicht auf. Nicht mal wenn es regnet.

Nicht jeder findet die Themen gut, aber auch das ist gut. Dafür ist Demokratie da. Was aber definitiv für alle gut ist: Die Politik kann zum ersten Mal seit vielen Jahren die Meinungen nicht mehr aussitzen. Nachdem die Parteien-Landschaften in jüngster Zeit hinreichend zersplittert wurde ist niemand mehr monopolistisch genug um sich das leisten zu können.

Zu erkennen war die Schwäche der Parteien bereits an der Reaktion auf die zunehmend rechten Wähler. Keine der Parteien hat sich getraut ihrer Linie treu zu bleiben, alle haben versucht einzulenken und die Wähler wieder zurück zu gewinnen. Das war Schwäche, aber die war gut.

Während die Parteien wetteiferten wer die rechten Wähler besser zurück gewinnt (mit dem Argument das Land vor dem Rechtsruck zu bewahren indem man selber ein bisschen mehr rechts wird) kam plötzlich die nächste Wähler-Generation zur EU-Wahl. Junge Menschen, gerade alt genug für die erste Wahl. Und was tun die? Wählen Öko. Dummerweise sind das genau die Schüler die man bis zu dem Zeitpunkt noch belächelt hat. Genau die Schüler die weltweit und vor allem europaweit jeden Freitag die Schule geschwänzt haben.

Spätestens jetzt wussten die etablierten Parteien gar nicht mehr was sie machen sollten. Rechts einfangen? Öko einfangen? Und was wollen die Ökos eigentlich? Sind die jetzt eher links? Was sagen die eigentlich zu den Flüchtlingen? Oder zu dem Mindestlohn? Gar nichts, die passen in keinen links-rechts Horizont, die wollen über die Umwelt reden, und zwar vertikal.

Und so gehen sie nun endgültig hin, die alten Zeiten. 2019 stand genau so unter ihrem Zeichen wie seine Vorgänger. Die alten Gewohnheiten werden wir sicher noch einige Jahre beobachten. Aber das ihre Zeit gekommen ist, das kann niemand mehr leugnen.

Was wird?

Bei der Durchsicht der Jahresrückblicke der letzten Jahre viel mir auf das ich schon das ein oder andere Mal von spürbaren Veränderungen geschrieben habe. Das sich ein Wandel abzeichnet, und das der Wandel notwendig ist. Das sehe ich immer noch so. Aber was wird nun kommen?

Ich weiß es nicht! Ehrlich, keine Ahnung. Es wird vermutlich noch mehr verschiedene Meinungen zu den großen Problemen der Zeit geben. Was bleibt ist die Tatsache das sich die Probleme nicht auf nationaler Ebene lösen lassen. Die Flüchtlingskrise hat gezeigt das einzelnen Länder das Problem nicht lösen. Hier wäre es aber immerhin noch auf kontinentaler Ebene möglich gewesen. Mit dem Klima haben wir nun ein Problem im Diskurs das die Ebene weiter anhebt. Nun ist die Politik definitiv globalpolitisch.

Man könnte sagen das sie das schon früher war, aber ehrlich gesagt, der Streit zwischen Ost und West um Atomwaffen war ein anderes Problem. Dabei handelte es sich um eine von Menschen erzeugte Bedrohung die relativ einfach zu beseitigen war, es mussten sich nur zwei Parteien zur Abrüstung einigen. So lange niemand auf den Knopf drückte war auch kein Schaden eingetreten. Das klingt simpel, war es damals natürlich nicht. Ich will damit nicht die Leistung der Verhandlungen oder die Bedrohung für die Welt schmälern, die existierte zweifellos. Aber die Probleme von heute sind schwieriger. Im Falle der Umwelt handelt es sich eben nicht um eine Bedrohung die nur dann eintritt „wenn jemand den Knopf drückt“. Wir beseitigen die Bedrohung auch nicht indem wir ein paar Raketen verschrotten.

Mit der Umwelt ist ein Thema auf dem Tisch bei dem der Schaden bereits eingetreten ist. Diesen Schaden auch nur einzuschätzen ist schon eine wissenschaftliche Herausforderung. Den Schaden zu reparieren wird schwer bis unmöglich. Was wir vorerst tun können ist die Entwicklung der Schäden zu bremsen. Dafür müssten aber alle Länder auf allen Kontinenten dieses Planeten an einen Tisch. Dieses Problem löst auch kein Staatenbund oder Kontinent mehr alleine. Die afrikanischen und asiatischen Länder die uns unsere Schiffe mit Müll zurück schicken weil ihre Halden voll sind zeigen uns das schon.

Und so ist die Menschheit in der uns bekannten Geschichte zum ersten Mal gezwungen weltweit zusammen zu arbeiten. Zum allerersten Mal müssen wir uns als Menschen und als Menschheit zu einem Thema auf einen gemeinsamen Maßstab einigen. Und genau das ist es was 2020 beginnen wird. Weil wir keine Wahl mehr haben.

Wir leben in aufregenden neuen Zeiten. Das Internet bringt uns seit nunmehr 50 Jahren immer weiter zusammen. Es erlaubt uns Wissenstransfer, Diskussion und Organisation in einem immer größeren Ausmaß. Die Technik und Vernetzung ermöglicht individuelle Projekte und stärkt die Kreativität und Entwicklung des einzelnen. Die Probleme werden gleichzeitig globaler und komplexer und erfordern immer mehr Zusammenarbeit. Wen interessiert denn da noch der Brexit?

Als wenn der Austritt der Briten aus der EU sie von der Umweltproblematik befreien würde. Die Vernetzung der Welt ist so stark das eine Abspaltung völlig sinnlos erscheint, und genau das zeigt uns der Brexit. Er ist Banalität geworden. Ad absurdum. Ein Problem aus dem letzten Jahrzehnt, ein Relikt der Vergangenheit, ein Exempel dafür das eine Rückkehr zu einem viktorianischen Empire eher ein Teil des Problems ist, aber ganz sicher keine Lösung.

Und so hoffe ich für 2020 auf eine neue Art Wachstum. Eine Art weltweites mentales Wachstum. Mögen wir alle etwas wacher werden und mit etwas offeneren Augen, Köpfen und Herzen in das zweite Jahrzehnt dieses Jahrtausends gehen.

Und selber?

Auch an uns ist der Wandel nicht vorüber gegangen. So wurde aus der „Produkt- und IT-Entwicklung“ durch geänderte Umweltanforderungen ein „ReLast – Solutions“. Ein flacher Begriff möglicherweise, aber dennoch passend. Zu den bekannten Entwicklungen kamen noch Webhosting im kleinen Rahmen und, vor allem, die „Supervision“. Wir passen in keine klassische Geschäftsbezeichnung mehr. Wir suchen zusammen mit unseren Kunden nach einer Lösung durch Zusammenarbeit, und dabei entstehen eben auch neue Tätigkeiten.

Viele unserer Kunden und Interessenten haben ebenfalls festgestellt das die Vernetzung einfach nicht zu umgehen ist. Man tut sich zusammen und arbeitet gemeinsam. Doch die meisten haben weder Know-How noch Zeit für all die Themen von heute wie Social-Media, World-Wide-Web oder individuelles Arbeiten. Heutzutage passen ja häufig die Berufsausbildungen schon nicht mehr zu den Tätigkeiten.

So kamen Kunden zu uns die entsetzt feststellten das es auf Google bereits ein Firmenprofil gibt, ohne je eins angelegt zu haben. Dort finden sich Bewertungen, Bilder, Adressen, Telefonnummern und sogar Öffnungszeiten. Eingetragen von fleißigen Kunden. Dafür gibt es natürlich weder zuständige Mitarbeiter noch Kompetenzen, außerdem kommt sowieso gefühlt jedes Jahr eine neue Technologie um die Ecke. Wie geht man damit nun um?

In diesem Umfeld müssen auch die klassischen Geschäftsausrichtungen überdacht werden. Kunden brauchen häufig nicht einfach nur Beratungen oder eine Hotline. Sie brauchen Antworten, Erklärungen, Einschätzungen, Hilfe, Lösungen. Vollständige Lösungen kann ein einzelnes Unternehmen nicht immer umsetzen. Hier gilt es wieder zusammen zu arbeiten. Konkurrenz- und Revier-denken kann man sich vielleicht noch eine Weile leisten, aber werden diese Konzepte in einer komplexen, diversifizierten und heterogenen Zukunft bestehen? Ich würde nicht darauf wetten.

Die Welt ist im Wandel, und das wird alle Bereiche betreffen. In einem solchen Umfeld reicht es nicht eine Schulung für eine Handvoll Mitarbeiter anzubieten die dann Social-Media-Auftritte im Nebenamt betreuen. So lange die Welt im Wandel ist müssen wir zusammen arbeiten, Sach- und Fall-gerecht reagieren und uns gegenseitig mit unseren Fähigkeiten unterstützen.

Am Ende geht es immer noch darum das man etwas kann das jemand benötigt. So entstehen Geschäfte und man verdient seinen Lebensunterhalt. Nicht zuletzt ist man nützlich, ein wesentliches Grundbedürfnis.

Und nun?

Anpassung ist eine der wesentlichen Fähigkeiten der Menschen. Eine weitere ist das sich Menschen schon immer zu Gruppen zusammen geschlossen haben um Probleme zu lösen. Von Jagdgemeinschaften über Stämme zu Völkern, Staaten und Bündnissen. Daran wird sich nichts ändern. Wir werden uns anpassen und zusammen tun. Das liegt uns im Blut.

Anpassung wird sich in allen Lebensbereichen abspielen. Von der zunehmenden Konfrontation mit den weltweiten Problematiken bis zu der zunehmenden Eigenverantwortung der Bürger und Unternehmen. Das erfordert vor allem ein mentales Umdenken. Die alten Muster funktionieren immer weniger. Wir brauchen neue Muster, und so lange wir nicht wissen wie die aussehen müssen wir bei der Entwicklung helfen. Also lasst sie uns gemeinsam finden!

In diesem Sinne, ein herzliches Dankeschön an 2019 für diesen grandiosen Abschluss und diese spannende Aussicht!

Wir wünschen allen ein ebenso spannendes und erfolgreiches 2020 mit vielen neuen Einblicken in das unentdeckte Land!

2019 in der Wikipedia