US-Wahlen 2016: Trump vs. Clinton

Die USA haben gewählt.

2016 gibt es definitiv einen neuen Präsidenten, Barack Obama darf nicht mehr. Und es gibt in diesem Wahlkampf tatsächlich noch eine Steigerung. Barack Obama war ja sozusagen schon der „Medien-Präsident“ mit Twitter-Kanal und eigenem Facebook-Bot, wobei letzterer sogar vor kurzem erst als Open Source veröffentlicht wurde (Quelle). Ein rundum medialer Präsident. Aber es geht noch besser …

 

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Die Wahlen 2016 waren noch präsenter in der Öffentlichkeit, und das lag vor allem an der exorbitanten Schlammschlacht. In dieser Wahl ging es nicht mehr um sachliche Argumente und Positionen, sondern eigentlich nur noch um schmutzige Wäsche und Beleidigungen. Nicht mal mehr die Eloquenz der Beleidigungen zählte. Bis kurz vor die Wahl wurde die schmutzige Wäsche so kräftig gewaschen das auf Wikileaks eMails der Demokraten veröffentlicht wurden worauf Wikileaks selber erst mal mit DDOS-Attacken lahm gelegt wurde (Quelle). Das war die Ebene auf der dieser Wahlkampf geführt wurde, und so wird er wohl auch als die größte Schlammschlacht aller Zeiten in die Geschichte eingehen, bis jemand kommt der das toppt. Was lernen wir? Obama hat die Digitalisierung und neuen Medien in den Wahlkampf gebracht, Donald Trump hat die plumpe Psychologie gelehrt.

Wie es dazu kam ist relativ einfach, und nicht neu. Trump hat Klischees bedient und die einfachen primitiven Ängste der Menschen angesprochen. „Amerika zuerst“ und ähnliche Sprüche (um nur ein Beispiel zu nennen) kommen uns nicht unbekannt vor, vor allem in Deutschland nicht. Was das im Detail bedeuten soll wird selten hinterfragt. Es geht einfach darum den eigenen Standard zu sichern oder gar zu verbessern und bedient wird dabei die Angst das es mir schlechter gehen könnte oder jemand anderes etwas bekommt das ich gern hätte. Ganz einfach. So stellen sich auch heute viele die Frage was Trump denn nun eigentlich genau tun möchte, aber für die Wahl hat es offenbar gereicht.

Hinzu kommt sein vordergründig frech erscheinender Auftritt. Frech mag es sein, und dekadent, und anmaßend. Aber Trump hat auch viel was andere gern hätten. Scheinbar unendlich viel Geld und dem folgend Macht, Häuser, Autos, Boote, Frauen. Alles in allem das von dem viele träumen. So wundert es nicht das ein Vergleich auf der Hand liegt:

Trump ist so etwas wie der amerikanische Berlusconi

Quelle

Silvio Berlusconi war ein ähnlicher Überraschungskandidat. Trotz aller Affären, trotz aller Skandale, wollten die Leute ihn. In diesem Zusammenhang empfehlenswert der folgende Artikel: Trumps Sieg aus Sicht der Psychologie.

Und was nun?

Nun, erstens ist noch gar nichts entschieden. Auch wenn die Medien die Wahl gern als entschieden verkaufen (und das nicht selten bevor die Stimmen überhaupt ausgezählt sind), gibt es in den USA eine Besonderheit. Hier wird nicht der Präsident gewählt, sondern Wahlmänner. Jeder Staat hat eine bestimmte Anzahl Wahlmänner, die Wähler wählen, und der Kandidat der die Mehrheit im Staat hat bekommt die Stimmen der Wahlmänner. Diese Wahlmänner treffen sich dann alle im sogenannten „Electoral College“ (siehe auch) und stimmen für den Kandidaten für den sie entsandt wurden, so die Idee. Tatsächlich sind die Wahlmänner aber nicht alle per Gesetz an diese Regel gebunden. Es kann durchaus vorkommen (und ist auch schon vorgekommen) das ein Wahlmann anders stimmt als seine Bürger von ihm verlangt haben. Streng genommen ist also noch gar nichts entschieden, es könnte durchaus noch einiges passieren.

Interessant an dem Wahlsystem der USA ist auch das ein Kandidat Präsident werden kann obwohl die Mehrheit der Wähler gegen ihn abstimmt. Nehmen wir an ein Staat hat 10 Wahlmänner und Kandidat A gewinnt dort mit 51%. Ein anderer Staat hat nur 5 Wahlmänner, Kandidat B gewinnt dort aber mit 80%. Wenn beide Staaten die gleiche Anzahl Wähler pro Wahlmann hat (sagen wir 100), hätte Kandidat B von den Wählern mehr Stimmen bekommen (890 Wähler, 9 Wahlmänner), Kandidat A bekommt aber mehr Stimmen von den Wahlmännern (610 Wähler, 10 Wahlmänner). Auch das ist schon vorgekommen.

Klingt paradox? Ist in den USA aber so. Noch komplizierter wird es wenn man bedenkt das nicht alle Staaten die Regel haben „der Kandidat mit der Mehrheit bekommt alle Wahlmänner“ sondern einige Staaten ihre Wahlmänner aufteilen und dem Kandidaten mit der Mehrheit dann noch ein paar zusätzlich geben. Obendrein ist die Verteilung von Einwohner (Wähler) zu Wahlmännern auch nicht gleich verteilt. Wenn man dann noch bedenkt das die Wahlmänner in einigen Staaten wie oben erwähnt nicht daran gebunden sind für den Kandidaten zu stimmen für den sie entsandt wurden wird es recht interessant.

Also passiert noch nichts?

Nein, eigentlich nicht. Die Wahl des eigentlichen Präsidenten findet 41 Tage später am 19. Dezember statt. Und auch dann gibt es kein endgültiges Ergebnis, weil die Wahlzettel dann erst nach Washington transportiert und vom Kongress ausgezählt werden, und das erst am 3. Januar. Warum so spät weiß ich nicht, vielleicht wegen Weihnachten. Tatsache ist aber das es sein kann das selbst bei dieser Auszählung noch kein Ergebnis zustande kommt, auch das gab es schon. Dann greifen weitere Regeln die so lange abgespult werden bis man denn nun endlich einen Präsidenten ausgewählt hat (siehe auch).

Passieren tut trotzdem einiges. In den meisten Fällen wird tatsächlich der Kandidat Präsident der bei der ersten Wahl mehr Wahlmänner für sich kassiert, und das ist Donald Trump. Beide Kandidaten haben jede Menge „Dreck am Stecken“ aber Hillary Clinton hatte einfach die falschen Affären in diesem Wahlkampf, die von Trump waren de Amerikanern wohl sympathischer. Die Märkte reagieren darauf mit leichten Kursschwankungen, so um die 5%. Nicht allzu wild sollte man meinen. Viel interessanter: abgesehen von dem Hype den das Ergebnis in den sozialen Medien auslöst, ist die Webseite der Kanadischen Einwanderungsbehörde gleich mal unter den vielen Anfragen zusammen gebrochen (Quelle). Anscheinend wollen viele Amerikaner das ganze dann doch nicht mehr mitmachen, und glauben nicht mehr ganz so daran das Amerika die „großartigste Nation der Welt“ bleibt wie Barack Obama das noch in seinem Statement zur Wahl verkündete.

Steht jetzt überhaupt was fest?

Ja, eine schale Erkenntnis bleibt. Genau wie der „Brexit“ war auch diese Wahl eine emotionale. Argumente haben kein Gewicht mehr, wollen sich die Wähler vielleicht auch gar nicht mehr mit auseinander setzen. Diese Erkenntnis schlummert schon länger und war in vielen Wahlen zu beobachten, trat aber nie so deutlich zu Tage wie bei der Entscheidung zum Brexit oder den nun durchgeführten US-Wahlen. Heute gewinnen Klischees und das bedienen stumpfer urtümlicher Ängste. Die Menschen wollen nicht mehr darüber nachdenken in welcher Welt sie leben wollen, sondern nur noch ihre Ängste und Wünsche bedient haben. Der Wähler nimmt seine Verantwortung als mündiger Bürger damit aber nicht wahr. Und das wirft die Frage auf wie es weiter gehen soll, wenn es denn so bleibt.

Gibt es nicht auch Vorteile?

Doch, die gibt es. Trump hat einige interessante Ankündigungen gemacht, darunter sein Bestreben den amerikanischen Markt dadurch stärken zu wollen das er ausländische Produkte stärker besteuert. Besonders China soll mit extrem starken Einfuhrzöllen bedacht werden. Welchen Vorteil wir dabei habe? Nehmen wir an China bekommt 45% Einfuhrzoll verpasst (davon sprach Trump tatsächlich). Nehmen wir ferner an Deutschland bekommt nur 30% (was immer noch recht viel ist). Was tun? In China einkaufen und nach Amerika verkaufen, für 40%. Wir sind noch immer 5% unter dem China-Preis und die übrigen 10% sind für unsere Kasse (siehe auch).

Ergo: Nutzt die Situation zum Vorteil. Kauft aus China und verkauft nach Amerika, zum Beispiel …

Aus allem lässt sich was machen. Wenn Trump seine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen will, verkaufen wir ihm eben Steine. Und wenn er einen Krieg anzettelt? Wird er nicht. Trump ist Unternehmer, wenn er einen Krieg anzettelt dann lässt er andere Länder kämpfen und verdient an den Waffen und am Wiederaufbau. Er wird die USA nicht direkt involvieren und die Länder mit denen er Geld verdient auch nicht. Am Ende ist alles halb so wild und meist bleibt alles beim alten. Einige Änderungen wird es aber geben, und jede Änderung bietet Möglichkeiten.

 

Nutzt die Möglichkeiten!

– relast

 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4sidentschaftswahl_in_den_Vereinigten_Staaten_2016

https://de.wikipedia.org/wiki/Electoral_College

https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fes_Haus

https://de.wikipedia.org/wiki/Donald_Trump

https://de.wikipedia.org/wiki/Republikanische_Partei

https://de.wikipedia.org/wiki/Hillary_Clinton

https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratische_Partei_%28Vereinigte_Staaten%29

 

https://www.linkedin.com/pulse/trumps-sieg-aus-sicht-der-psychologie-nadja-y-hirsch?trk=pulse-det-nav_art

https://www.xing.com/news/klartext/schock-oder-sensation-was-erwarten-sie-von-prasident-trump-1220?sco_o=da536_fp

http://t3n.de/news/donald-trump-silicon-valley-764579/

http://t3n.de/news/trump-wahl-auswandern-kanada-764483/

http://t3n.de/news/us-wahl-ddos-angriff-wikileaks-764413/

http://t3n.de/news/clinton-trump-wahlnacht-2016-764196/

http://t3n.de/news/obamas-facebook-bot-open-source-756000/

http://t3n.de/news/trump-e-commerce-deutschland-764740/

 


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