Warum empört sich niemand?

Warum sind die Proteste zum Thema Prism und Konsorten so gering ausgefallen? Warum gibt es einen Sturm in der Presse, und einen Orkan in den einschlägigen Kanälen des Netzes, aber es scheint niemanden in der breiten Bevölkerung zu interessieren?

Nun, ich persönlich denke, das die meisten Menschen gar nicht wissen was das alles bedeutet. Die meisten Menschen wissen gar nicht, was man mit einer großen Datensammlung alles tolles anstellen kann, denn die meisten sind eben keine IT’ler, und selbst von denen haben nicht alle mit BI, Softwareentwicklung oder Datenbanken zu tun.

Hinzu kommt eine, verständliche, Resignation oder „Politikverdrossenheit“. Das man belogen wird, ist zur Gewohnheit geworden. Das „die da oben“ sich alles erlauben können, und damit durchkommen, ist zum Normalzustand erklärt worden. Aus meiner Sicht ist es sogar schlimmer denn je, denn wenn ich jeden Tag lese was man uns so alles glauben machen will, und was man sich so alles rausnimmt, bekomme ich Depressionen. Ich kann daher nur zu gut verstehen, das man das nicht mehr lesen will. Somit bekommen viele vermutlich auch gar nicht mit was so alles passiert.

Ich vermute daher, das die meisten Menschen in der Bevölkerung keine Ahnung haben, das wir hier derzeit über das Recht der freien Rede entscheiden. Und ich vermute sogar, das viele nicht einmal wissen, was es überhaupt bedeuten würde, dieses Recht abzuschaffen.

Doch es gibt noch ein paar Gesichtspunkte. Einfache menschliche Psychologie zum Beispiel. Vielleicht fehlt den Menschen auch einfach das Gesicht eines Bösewichts. Man kann schwer auf ein abstraktes etwas wütend sein, sehr gut aber auf eine Person. So sind wir eben.

Hier ein Artikel der Gründe sucht: TAZ: Opfer gesucht.

Kleiner Tip vorweg: wir sind alle Opfer. Hier geht es um die Frage, auf welche Art wir in Zukunft leben wollen. Sicher, oder frei. Das betrifft alle, mehr als die meisten denken. Das ist vielleicht die entscheidenste Grundsatzfrage dieser Zeit. Es scheint nur niemanden zu interessieren.

Dabei findet sogar ein ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts, das ganze gehe zu weit:

In Bezug auf die Vorratsdatenspeicherung verwies er auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Die habe die Maßnahme in bestimmten Grenzen für verfassungsmäßig erklärt, daran änderten auch die gegenwärtigen Enthüllungen nichts. Die NSA-Schnüffelei ginge aber weit über das hinaus, was noch akzeptabel sei.

Und ein Supergrundrecht gibt es auch nicht, betont er noch mal. Diese Aussage des amtierenden Innenministers wirft ein alles sagendes Licht auf seine Kompetenz, und trotzdem interessiert es kaum jemanden.

In dem Wochenrückblick auf Heise heißt es denn auch:

Wir waren alle einmal Edward Snowden. Wir versagten, als es galt, Haltung zu zeigen.

Nun, vielleicht fällt ja wieder einigen etwas auf, wenn selbst Stiftung Warentest schon von Cloud-Diensten abrät, oder wenn, dann doch bitte verschlüsselt. Ja, bitte denkt darüber nach, warum die das wohl tun.

Denn bei so derartig vielen Android-Nutzern, vermisse ich genau das. Nun bietet Google schon von sich aus an, das man seine Geräte finden und löschen kann. Mal ehrlich, fällt denn Niemandem auf, das hier ein Anbieter vielleicht ein bisschen zu viele Möglichkeiten hat, Zugriff auf mein Gerät zu nehmen? Ein Gerät auf dem ich alle meine persönlichen Daten speichere? Die der Anbieter alle mitnimmt? Und der mich jederzeit orten kann? Niemandem? Wirklich niemandem?

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