Ja, richtig, 2025 begann mit den Buchstaben WTF. Und zu Jahresbeginn haben wir noch alle darüber geschmunzelt.

Zuerst einmal die Frage wo das WTF herkommt. Das Jahr 2025 begann mit den Tagen Mittwoch (01. Januar), Donnerstag (02. Januar), Freitag (03. Januar). Im englischen Wednesday, Thursday, Friday, abgekürzt WTF. Die Abkürzung WTF steht im englischen aber auch für „what the fuck?“. Was im deutschen soviel bedeutet wie „Was zur Hölle?“ und im allgemeinen eine gewisse ungläubige Verwunderung oder Fassungslosigkeit zum Ausdruck bringen soll.
Wie gesagt hat man zu Jahresbeginn 2025 noch geschmunzelt und Witze gemacht. Zumal das letzte Jahr in dem wir am Jahresanfang eine solche Kombination hatten das Jahr 2020 war, in dem wir Covid zu Besuch bekamen. Es gab also einige lästerliche Stimmen die für 2025 ebenso düstere Prognosen in Aussicht stellten.
Auf der anderen Seite steht das Argument das im Grunde jede Woche im englischen mit einem „WTF“ endet, aber deswegen nicht jede Woche eine Katastrophe sein muss. Ja, schon, aber eben nicht jeder Jahresanfang beginnt so.
Was ist passiert?
Neben den Fortsetzungen der bestehenden Konfliktherde (Ukraine, Israel, Iran, Taiwan) gab es durchaus neues Salz in der Suppe. Die USA bekommen einen neuen alten Präsidenten, und der erfüllt direkt alle an ihn gestellten Erwartungen. Er bricht mit einem der ältesten Verbündeten (Kanada) und einem der größten Verbündeten (Europa). Stellt die Existenz der NATO in Frage, wirft damit alle bestehenden Machtverhältnisse über den Haufen, und stellt auch direkt mal in Aussicht einen Verbündeten anzugreifen weil er eine Insel haben will (Grönland). Das alles garniert er noch mit einer massiven Einflussnahme auf die Wirtschaft und Märkte, indem er hier und da mal Zölle ankündigt und dann wieder zurück zieht. Das geht so weit das sich ein eigener Begriff dazu prägt: TACO-Deal (Trump Always Chickens Out).
Die Märkte haben das auch irgendwann verstanden. Anfangs konnte man mit jeder Ankündigung massive Schwankungen in den Aktienkursen beobachten, später gab es kaum noch Reaktionen wenn neue Zölle angekündigt wurden. Unterm Strich ist das Verhalten mehr als fragwürdig, schon allein die Märkte betreffend. Wenn man dicht genug am Präsidenten dran ist und einen Tag Vorlauf hat, kann man eine Menge Geld verdienen. Eine Tag Short gehen, am nächsten Tag Long, Aktien günstig einsammeln, egal wie, man konnte sein Geld sehr leicht vervielfachen. Gerüchten zufolge soll das auch hier und da Thema gewesen sein.
Untersuchungen der Börsenaufsicht dürfte Trump nicht befürchten. Die Behörden scheinen weitgehend unter seiner Kontrolle zu stehen. Selbst die Richterposten hatte er ja in seiner ersten Amtszeit schon gut besetzt. Alles in allem ist die größte Sorge an der ganzen Geschichte die Frage zu welchem politischen System die USA sich da gerade wandeln. Und was aus der Vernunft und den bisher vertretenen Werten geworden ist. So oder so, die Weltordnung steht Kopf. Alte Bündnisse brechen, neue Bündnisse entstehen, alle werden sich anpassen müssen, da hat niemand eine Wahl (siehe auch).
Das spürt man auch deutlich in Europa. Deutschland hat ebenfalls eine neue Regierung bekommen. Nachdem die alte Regierung erleben durfte das quer durch alle Parteien die Rhetorik der politisch rechten ungefragt adaptiert wurde, gab es einen der schmutzigsten Wahlkämpfe die Deutschland je erleben durfte. Wer genug Polemik und aggressives Auftreten an den Tag legt braucht keine Argumente, und wer keine Argumente braucht läuft nicht Gefahr dabei ertappt zu werden das man keine Lösungen für die Zukunft hat.
Statt dessen wird fröhlich die Rückkehr zu alten Werten propagiert. Weil sich die Probleme der Zukunft so gut mit den Methoden der Vergangenheit lösen lassen, und überhaupt, unsere Probleme sind doch nur entstanden weil jemand was ändern wollte. Der Vorteil dieser Rhetorik besteht darin das die Menschen sich sicher fühlen wenn man an die guten alten Zeiten erinnert. Früher war eben alles besser, niemand muss sich ändern, wir müssen nur zurück dahin, und wer sagt das geht nicht mehr ist nur ein Schwarzmaler, das sind Fake News und auch alles total unrealistisch und funktioniert gar nicht. Der Planet dreht sich auch in Wirklichkeit gar nicht weiter. Wie soll er denn auch, er ist schließlich eine Scheibe und die Sonne dreht sich um uns. Wir sind das Zentrum des Universums, also kein Grund zur Sorge.
Leider funktioniert die Welt so eben nicht. Die Welt verändert sich eben doch. Wer sich nicht anpasst verliert. Wer sich aus seinen vorhandenen Lorbeeren ausruht wird irgendwann feststellen das jemand anderes die ganzen frei herumliegenden Lorbeeren weiter eingesammelt hat, und dann wird man überholt. So geht es Europa und den USA nun auch. China war nicht dumm und auch nicht faul. Die haben weiter gemacht, und das nicht mal heimlich. Und nun sind sie weltweit führend in einigen der Technologien die in der Zukunft eine große Rolle spielen werden. Und das haben sie auch genau so angekündigt, das sie da führen wollen. Überraschung, für China ist die Erde keine Scheibe.
Aber?
Die ganze Geschichte hat auch ihre Vorteile. Während 2025 die Magnificent Seven, also die 7 größten Unternehmen aus den USA, durch KI einen rasanten Tech-Boom in ihren Aktienkursen verzeichnen konnten, hat der Bruch zwischen den alten Partnern USA und Europa zu einem Gedanken in Europa geführt: Souveränität in der Verteidigung und der digitalen Welt. Auf beiden Gebieten hat man sich durch jahrelange Einkäufe beim Bündnispartner auch eine große Abhängigkeit geschaffen. Diese ist nun wo der Bündnispartner unzuverlässig wird ein Problem. Das führt zu massiven Investitionen in Technologie und Verteidigung in Europa. Somit wird ein neuer Markt geschaffen der für europäische Unternehmen große Chancen bietet (siehe auch).
Gleichzeitig gab es trotz aller „zurück in die Vergangenheit“-Gedanken einen leisen aber trotzdem wichtigen Durchbruch. So hat der Ausbau erneuerbarer Energien massiv zugenommen. Die Stromerzeugung aus Photovoltaik übertrifft mittlerweile alle anderen, während sie gleichzeitig die niedrigsten Herstellungskosten hat. Zusammen mit Windkraft ist Photovoltaik die am stärksten wachsende Form der Energiegewinnung. Und während die Politik im Wahlkampf über Reaktivierung der Kohle-, Gas-, und Atomkraftwerke sprach und den Verbrennungsmotor wieder bauen wollte, verkündeten die Energieerzeuger das sie gar nicht mehr zurück wollen weil sich das für sie nicht lohnt (siehe auch).
Wir sind also irgendwie doch auf einem gar nicht so schlechten Weg. Wenn er auch holprig ist, und von Wiederständen geprägt, und sich schwierig anfühlt. Aber ja, wir brauchen alternative Energieformen damit wir aus dem Nullsummenspiel der endlichen Rohstoffe heraus kommen. Ja, wir brauchen ein souveränes Europa wenn wir unsere Werte erhalten wollen. Ja, wir brauchen vermutlich auch eine neue Weltordnung wenn wir nicht weiter von der einen königlichen Großmacht abhängig sein wollen. Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein und Zusammenhalt in der EU würde selbige zu einer Großmacht auf diesem Planeten machen. Und wenn ich mir die anderen Großmächte so anschaue, dann wäre sie keine schlechte. Aber das liegt ja an uns, wohin wir uns entwickeln (siehe auch).
Und sonst?
Irgendwie gibt es einen Vergleich der zu passen scheint: wenn man gängigen esoterischen Aussagen glauben schenkt dann befanden wir uns in den letzten paar Jahren im „Jahr der Schlange“. Diese Schlange bedeutet wohl das sich alles alte auflöst und abgestriffen wird. Das kann man wirklich so sehen. Corona, Ukraine, Trump, China, all diese Dinge haben uns deutlich gezeigt das wir wirklich vor neuen Zeiten stehen, und das es nicht weiter geht wie bisher. Da sind sicherlich einige Illusionen zerbrochen. Einigen dieser Illusionen kann man auch nachtrauern, für mich sind es vor allem die Ideale die wir von einer freien und gerechten Welt hatten. Das war nie so richtig der Fall, aber der Gedanke war schön.
Wenn das mit der Schlange stimmt dann kommen wir jetzt in das Jahr des Pferdes. Hier gibt es unterschiedliche Interpretationen: kräftig voran gehend wie ein Pferd, oder kühl und gelassen sein wie ein Pferd. Sozusagen die Frage ob unser Pferd ein Warmblut oder ein Kaltblut sein wird. Das bleibt abzuwarten. Ich persönlich habe ja so ein Gefühl als wenn da was auf uns zukommt. So ein Gefühl hatte ich zuletzt 2019 (siehe auch). Und ja, ich weiß, danach kam Corona. Aber das war das WTF-Jahr 2020, und unser WTF-Jahr 2025 haben wir ja schon hinter uns. Kann also eigentlich nur gut werden, oder?
In diesem Sinne, hier gibt es noch ein bisschen schönen Lesestoff für den Jahresbeginn.
Habt ein schönes 2026!
science.org: Good morning, sunshine
golem.de: Rückblick auf ein erfolgreiches Raumfahrtjahr 2025
golem.de: Was 2025 eingestellt und geschlossen wurde
heise.de: Zahlen, bitte! 2025 in Nerdfakten
golem.de: Wie ein magischer Angriff mit lauten und bunten Zaubern
