Gedanke: Spenden und alternatives Spenden

Problem

Das alte Dilemma mit den Spenden. Die Wikipedia zeigt es immer wieder deutlich. Um so einen Dienst zu betreiben braucht man Server. Je mehr Leute den Dienst nutzen, um so mehr Server braucht man. Das kostet Geld. Nun möchte man den Dienst aber gern kostenlos anbieten. Woher soll das Geld kommen?

Geldquellen

Werbung schalten ist eine Möglichkeit. Das möchte aber kaum jemand. Es nervt die Benutzer, und es bringt den Anbieter in eine gewisse Abhängigkeit von den Werbenden. Wer abhängig ist, kann aber nicht mehr neutral sein. Also diskreditiert es den ganzen Dienst.

Spenden sammeln ist eine andere Möglichkeit. Hier kann aber das gleiche Problem zuschlagen. Wenn man von wenigen großen Gönnern abhängig ist, kann man ebenfalls nicht mehr neutral sein. Also muss man viele kleine Unterstützer haben. So viele, mit so geringen Summen, das man von keinem abhängig ist.

Es liegt also nahe, die Benutzer eines Dienstes zum Spenden aufzufordern. Das gelingt auch bisweilen. Es spenden doch relativ viele, aber meist nicht genug. Die meisten Menschen nutzen einen Dienst einfach, ohne sich für dessen finanzielle Zukunft zu interessieren. Es gibt jedoch auch eine Gruppe dazwischen. Menschen die sagen das sie durchaus spenden würden, aber es nicht tun. Warum? Auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten.

Aufwand

Egal wie einfach man es gestaltet, der Aufwand ist für einige zu hoch. Besonders für technisch nicht so versierte Menschen. Irgendwie in diesem „Online“ Geld zu dieser „Wikipedia“ schaffen. Das ist eben geringfügig etwas anderes, als Geld in den Klingelbeutel zu werfen. Kreditkarte, Paypal, Online-Banking. Muss ich das jetzt extra haben? Nur um das Geld da hin zu bekommen? Ich wollte doch nur was spenden. Keine neuen Verträge unterzeichnen. Das bringt auch gleich den nächsten Punkt ins Feld.

Sicherheit

Wir leben in einer Zeit, in der gefühlt alle paar Tage irgendeine Firma eingestehen muss, das ihr mal wieder einige Millionen Kundendaten abhanden gekommen sind. Diese geklauten Telefon-, Adress-, eMail- und Kontoinformationen werden dann in diversen dunklen Ecken des Netzes gehandelt wie Kokain auf der Straße. Unter solchen Umständen ist es nicht nur verständlich, sondern sogar besonders zu begrüßen wenn die Anwender überaus vorsichtig mit ihren Daten umgehen.

Wenn jemand spenden möchte, muss er aber Teile dieser Informationen zwangsweise preisgeben. Ich möchte aber vielleicht nicht unbedingt meine kompletten Kontodaten preisgeben, nur um der Wikipedia 50 Cent im Monat zukommen zu lassen. Das bringt uns zu einem weiteren Punkt.

Umfang

Welche Summe ist angemessen? Was ist besser? Einmal zahlen, oder regelmäßig? Die Kosten fallen regelmäßig an, also wohl letzteres. Aber ich möchte vielleicht nicht jeden Monat 5 Euro zahlen. Also Quartalsweise. Dann muss schon wieder ein Dauerauftrag her, sonst vergesse ich es vielleicht. Hinzu kommen die Gebühren der Bank, je nach dem welches Tarifmodell man gewählt hat. Also lohnen sich kleine Beträge schon gar nicht mehr.

Alles in allem, birgt die Transaktion von realer Währung für solche Zwecke ein paar Tücken. Natürlich, es wird auch für andere Organisationen ganz regulär in echter Währung gespendet. Aber die haben auch anders angefangen. Sind den Leuten „in persona“ begegnet. Haben vielleicht Geschäftsstellen oder man kann auf Veranstaltungen für sie spenden. Ganz zu schweigen davon, das diverse Hilfsorganisationen schon wesentlich länger bestehen, ein wesentlich länger aufgebautes Image und einen ganz anderen Bekanntheitsgrad haben. Einige Organisationen haben es geschafft sich so zu positionieren, das es fast zum guten Ton gehört zu spenden.

Das alles fehlt in der „Online-Welt“. Dort sehen unbedarfte Anwender vermutlich nicht mal den Aufwand oder die Kosten den so ein Dienst verursacht. Hilfseinsätze in Krisengebieten lassen sich viel leichter mit Bildern darstellen, als eine Serverfarm die notwendig ist um weltweit allen Menschen kostenlosen Zugang zu einer Bildungsquelle zu verschaffen.

Abgesehen vom Image und der Eröffnung von Geschäftsstellen, gibt es aber Alternativen die man wählen kann. Alternative Methoden, um Geld zu spenden und zu sammeln. Zwei dieser Methoden habe ich im Sinn: Flattr, und Bitcoin.

Flattr

Flattr ist ein Produkt das aus dem Problem der Verfasser von Artikeln entstand. Wenn man einen Artikel für eine Zeitung schreibt, wird man normalerweise bezahlt. Die Herausgeber der Zeitung bekommen das Geld vom Kunden, wenn sie die Zeitung verkaufen. Wenn man einen Artikel für eine Webseite oder gar seinen eigenen Blog schreibt, wird man meist nicht bezahlt. Hier kommt das gleiche Problem zum tragen: man hat Arbeit investiert, jemand betreibt die Webseite, aber man bekommt das Geld nicht wieder rein und kann nicht davon leben. Auch hier kann man nun Werbung schalten oder um Spenden bitten. Doch das ist ja nicht so einfach wie wir gesehen haben.

Um nun die Sache mit dem Spenden zu vereinfachen, und zu verhindern das alle Welt irgendwann gezwungen ist Werbung zu schalten, kam Flattr. Das funktioniert so ähnlich wie mit dem „like“ bei Facebook. Man fügt einen Button auf der Webseite ein, und wenn jemand auf diesen Button klickt, sagt er damit „das finde ich gut, dafür will ich spenden“. So kann der Benutzer entscheiden, was ihm einen Obolus wert ist, und was nicht. Klingt doch hervorragend!

Ein Problem bleibt aber. Das Geld muss von irgendwo her kommen. Also muss der Anwender, der gern spenden möchte, vorher Geld bei Flattr hinterlegen. Hier haben wir wieder das alte Dilemma. Ich muss zwar nicht mehr jedem einzelnen Webseitenbetreiber, dem ich etwas spenden möchte, mein Konto mitteilen, aber ich muss es immer noch bei Flattr tun. Und dort muss ich wieder regelmäßig darauf achten das auch genug Geld dort ist. Der Webseitenbetreiber muss umgekehrt seinen Account bei Flattr haben, und warten bis genug gespendet wurde, damit er es auszahlen lassen kann. Schließlich möchte niemand jeden Tag 20 Cent auszahlen.

Flattr ist eine wunderbare Methode, und viel besser als mit jedem einzelnen Gegenüber immer wieder einzelne Überweisungen austauschen zu müssen. Es verschafft auch eine Möglichkeit ganz direkt Feedback zu geben, indem man tatsächlich einzelne Artikel und Beiträge „Flattert“. Aber Flattr allein beseitigt noch nicht alle unser Probleme.

Flattr bietet allerdings eine Option. Man kann dort auch in Bitcoin ein- und auszahlen.

Bitcoin

Eine überaus einfache Methode für den Geldtransfer sind die sogenannten „Cryptowährungen“. Hier lässt sich Geld vollkommen anonym und Gebührenfrei transferieren. Die Beträge lassen sich in beinahe beliebig kleine Einheiten aufteilen. Ein Bitcoin kann in Einheiten bis runter zu 0,00000001 Bitcoin geteilt werden. Wenn wir von einem Wert von 500 Euro je Bitcoin ausgehen, ließen sich damit also 0,000005 Euro spenden. Ohne Gebühren!

Damit löst Bitcoin auf einen Schlag einen ganzen Haufen unserer oben angeführten Probleme. Es bleibt der Aufwand. Für Webseitenbetreiber ist dieser überaus gering. Man benötigt eine Bitcoin-Adresse, das war es, schon kann man Spenden empfangen.

Für Menschen die Spenden wollen, klingt es erst mal etwas schwieriger, ist es aber eigentlich nicht.

Man kann sich die Bitcoin gegen echtes Geld an einer Bitcoin-Börse kaufen. Aber das würde unsere Probleme nicht lösen. Es muss einen anderen Weg geben. Und den gibt es. Es gibt sogar mehrere, und es gibt Möglichkeiten die Beträge zu erarbeiten und direkt an den Empfänger der Spenden zu leiten, ohne den Umweg über die eigene Geldbörse.

Bitcoin-Mining (verwandle Rechenleistung in Spende)

Wie das mit dem Bitcoin-Mining funktioniert, hatte ich schon mal beschrieben (Guide: Bitcoin-Mining). Vereinfacht gesagt: man lässt den PC arbeiten, er führt wilde Berechnungen durch, und man bekommt dafür im Gegenwert Bitcoin, also eine Währung die Geld wert ist. Man tauscht also Rechenzeit gegen Geld. So weit, so einfach. Nun gibt es aber einige Bitcoin-Pools in denen man diese Berechnungen durchführen kann. Bei diesen Pools gibt man normalerweise seine eigene Bitcoin-Adresse an, und bekommt die Bitcoin dann ausgezahlt. Und wenn man dort die Adresse des Dienstes angibt an den man spenden möchte? Zum Beispiel die Bitcoin-Adresse der Wikipedia? Richtig. Dann bekommt die Wikipedia durch meine investierte Rechenzeit Spenden. Ganz direkt, ohne das ich mein Portemonnaie oder mein Bankkonto öffnen musste.

Für das Bitcoin-Mining gibt es sogar Spezialhardware. Diese Hardware führt die Berechnungen wesentlich schneller und mit weit weniger Stromverbrauch durch. Es gibt Kombinationen aus einem RaspberryPi und einem USB-Stick, deren Stromverbrauch so gering ist, das man sie rund um die Uhr laufen lassen kann. Und somit rund um die Uhr spenden.

Bitcoin-Add-Klick (verwandle Zeit in Spende)

Eine andere Variante an Bitcoin zu gelangen, ist ironischer weise Werbung.  Es gab schon früher Webseiten, auf denen man bewusst Werbung anklicken konnte, und dafür bezahlt wurde. Doch wenn das gegen echtes Geld passiert, kommen wieder die oben erwähnten Probleme zum tragen.

Heute gibt es Webseiten, die dabei in Bitcoin abrechnen. Eine dieser Webseiten hatte ich ebenfalls in dem Guide zum Bitcoin-Mining als eine alternative Quelle für Bitcoin beschrieben (guide). In der Kurzfassung funktioniert das so: man meldet sich dort an, mit einer anonymen eMail-Adresse wenn man möchte, und klickt dann auf Werbung. Wenn man einen gewissen Betrag erreicht hat, kann man es sich auszahlen lassen. Wenn man hier ebenfalls die Adresse eines Dienstes angibt, hat man bereits gespendet. Ganz direkt und ohne Umwege.

Zusammenfassung

Die Variante der Bitcoin verschafft uns im Gegensatz zu der bisherigen einzigen Möglichkeit, nun drei Möglichkeiten zu spenden.

  1. verwandle Geld in Spende
  2. verwandle Rechenleistung in Spende
  3. verwandle Zeit in Spende

Dank der Möglichkeit die Bitcoin bei Flattr ein zu zahlen, können wir auch diesen Dienst nutzen ohne unsere Kontoinformationen durch die Welt zu reichen. Bitcoin gestattet das alles ohne ein Risiko für unser reales Konto zu erzeugen. Selbst wenn man Bitcoin gegen reales Geld erwerben möchte, muss man das immerhin nur an einer Stelle tun, und kann dann frei handeln.

Ein Problem bleibt dabei: die technischen Bedingungen. Das Prinzip und Modell der Bitcoin ist relativ komplex. Das Mining einzurichten ist technisch nicht ohne Anspruch. Die oben bereits erwähnten, technisch nicht allzu versierten Personen, werden in dem Mining also vermutlich keinen großen Vorteil sehen, weil man schlicht den Aufwand der Installation scheut.

Glücklicherweise gibt es die durchweg einfache Methode der „Klick-Werbung“. Hier muss man nicht wissen wie das mit den Bitcoin funktioniert. Man braucht nur eine eMail-Adresse, meldet sich dort an, trägt die Adresse des Spendenempfängers ein und klickt einfach drauf los. Das sollte machbar sein. Wenn man sich im Internet bewegt und die Dienste nutzt für die man da Spenden möchte, sind die erforderlichen Fähigkeiten für diese Methode sicher auch gegeben.

Schlusswort

Das Modell des „Spendens durch Mining“ ist in der Szene rund um OpenSource und Bitcoin durchaus vertreten. So hat der Ersteller einer „Mining-Linux-Version“ namens „MinePeon“ in seinem Linux per (de-aktivierbarer) Standardeinstellung einen Pool eingebaut, der pro Tag 15 Minuten lang die Mining-Leistung abbekommt, und somit jeden Tag 15 Minuten lang eben jenem Ersteller für seine Mühen spendet. Ebenso haben diverse Betreiber von Pools oder Pool-Statistiken auf ihren Seiten eine Bitcoin-Adresse veröffentlicht, und bitten darum an diese Adressen Spenden zu richten, oder auf diesen Adressen ab und zu etwas zu „minern“ und damit zu spenden, um die Unkosten zu decken.

Es gab vor kurzem sogar einen Artikel, in dem ein Mechanismus zum Verteilen von Bitcoin-Spenden auf GitHub beschrieben wird. So sollen auf der einen Seite Spenden gesammelt werden, und auf der anderen Seite wird GitHub beobachtet. Führt jemand einen „push“ (in dem Beitrag steht „pull“, vermutlich ein Tippfehler) durch, trägt er also anscheinend etwas zu der Codebasis bei, soll je nach Gewichtung ein Betrag an denjenigen fließen. Das ganze soll für OpenSource-Projekte gelten, und somit eben auch diese unentgeltlich arbeitenden Programmierer unterstützen. heise: BitHub Spendenverteiler

Nun müssten nur noch alle Spenden-Empfangs-willigen eine Bitcoin-Adresse veröffentlichen. Leider hat ausgerechnet mein Paradebeispiel, die Wikipedia, das Konzept abgelehnt (siehe hier und hier). Die Begründung lautet:

The Wikimedia Foundation, as a donor-driven organization, has a fiduciary duty to be responsible and prudent with its money. This has been interpreted to mean that we do not accept „artificial“ currencies – that is, those not backed by the full faith and credit of an issuing government. We do, however, strive to provide as many methods of donating as possible and continue to monitor Bitcoin with interest and may revisit this position should circumstances change. (quelle)

Das ist bedauerlich, zumal mittlerweile viele Händler, Organisationen und sogar Behörden und Regierungen, Bitcoin als Währung ernst nehmen. Nicht zuletzt vermutlich weil man auch dort gern Steuern einnehmen möchte.

Im Gegenzug gibt es diverse Listen an Organisationen, die Spenden per Bitcoin entgegennehmen, inklusive Adresse: https://de.bitcoin.it/wiki/Spenden oder https://en.bitcoin.it/wiki/Donation-accepting_organizations_and_projects.

Darunter so wunderbare Projekte wie die Creative Commons. Noch nie war es so leicht Projekte und freiwillige Arbeit zu unterstützen.

Meine Adresse findet sich übrigens hier:

137AnfZYuV8QhAN4WAk49skfx2QCTdV99Z

😉

 

Weitere Informationen zu Bitcoin, Cryptowährungen, Mining und Flattr finden sich hier:

Bitcoin

Bitcoin-Mining

Litecoin-Mining (auch ein Weg an Bitcoin zu gelangen, siehe „Alternative“)

wikipedia: Flattr

Update: Ein kleiner Guide wurde nachgeschoben „Guide: alternatives Spenden

 

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