Weihnachten

Was ist eigentlich Weihnachten? Abgesehen davon das selbst Menschen die sagen „ich glaube nicht an Gott“ hier die Geburt von Jesus feiern und die meisten das gar nicht mehr wissen.

 

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Wie ist Weihnachten entstanden?

Weihnachten war nach christlicher Tradition und Geschichte die Geburt Jesus Christus. Jeder kennt noch das Krippenspiel. Maria und Josef ziehen wegen der Volkszählung los (jeder soll in der Stadt seiner Geburt gezählt werden), kaum dort kommt das Kind. Weil zu der Volkszählung so viele Menschen umher wanderten bekommen sie keine Herberge und Jesus wird in einem Stall geboren.

Der Kirche ging es dabei im wesentlichen um die Mensch-Werdung Gottes, beziehungsweise das Gott seinen Sohn auf die Erde gesandt hat (je nach katholischer oder evangelischer Sichtweise). Da Gott seinen (oder sich selbst als) Sohn sandte damit er die Menschen erlösen möge wird es als ein exorbitantes Geschenk betrachtet, was es sicher auch ist. So weit steht es in den Büchern. Doch wie ist die Geschichte entstanden?

Dazu gibt es verschiedene Ansätze und einige Spekulationen. In der Weltgeschichte der Religionen ist es üblich das Festtage, Rituale und Traditionen eines Glaubens vom nachfolgenden Glauben übernommen und abgeändert werden. Ebenso gab es bei der Übernahme einer bestehenden Religion in ein neues Gebiet häufig Vermischungen mit dem vorher vor Ort ausgeübten Glauben. Auffällig ist beispielsweise das die Weihnachtszeit auf die gleichen Tage fällt wie das Julfest, welches die Wintersonnenwende als zentrales Thema hatte. So wird Weihnachten in den skandinavischen Ländern Europas auch heute noch „jul“ oder „jol“ genannt. Ebenso gibt es Überschneidungen mit dem römischen Sonnengott, für den im römischen Reich ein Feiertag am 25. Dezember ausgerufen wurde. Anlässlich des „Sol Invictus“ wurden dann an diesem Tage viele Kerzen entzündet, was wir heute in der Tradition der Weihnacht wiederfinden.

Die Herkunft des Wortes „Weihnachten“ an sich kann bereits auf germanische Wurzeln zurückgeführt werden:

Das erste Wortglied weih wird von germanisch wīʒja, wīha ‚heilig‘ aus der Grundform des Verbs *wīʒjan ‚weihen‘, und des Weiteren aus der indogermanischen Wortwurzel *ueik ‚aus-, absondern, weihen‘ abgeleitet. Für die deutsche Sprache wichtige ableitende Formen sind: gotisch weih-s, althochdeutsch, altsächsisch wîh und mittelhochdeutsch wî(c)h und das schwache Verb wîchen. Das Wort kann also mit „heilige Nacht“, beziehungsweise eher als „heilige Nächte“ übersetzt werden, da zum einen das zweite Wortglied -naht hier an die alte Zeiteinteilung vom Tag mit Beginn der Nacht ansetzt (englisch fortnight‚ „vierzehn Tage“ aus altenglisch fēowertyne niht) und zum anderen der Plural auf mehrere Feiertage in Bezug auf die altkirchliche Tradition der „zwölf Weihnachtstage“ vom 25. Dezember bis Epiphanias am 6. Januar hinweist. Darüber hinaus ist weih, beziehungsweise die germanische Grundform mit lateinisch victima ‚Opfertier‘ verwandt, wie auch die Bezeichnung der Kultstätten, zum Beispiel altnordisch Ve.

In diese Wortherkunft spielt auch bereits ein deutlich längerer Zeitraum als die heute üblichen und bekannten drei Tage. Von zwölf bis vierzehn Tagen ist hier die Rede, und von einem Zeitraum beginnend mit der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember und andauernd bis zum 6. Januar (Epiphanias). Tatsächlich begeht auch die Kirche diese Zeiten. Die meisten Kirchen beginnen die Weihnachtszeit in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember (Vesper, Christvesper, Christmette). Bei dem Ende gibt es einige Differenzen je nach evangelischer oder katholischer Richtung (Epiphanias, Taufe des Herrn, Mariä Lichtmess). Allen gemein ist ein Zeitraum der die letzten Tage des Dezember mit den ersten des Januar verbindet, ebenso wie es die Rauhnächte tun.

Bei den Rauhnächten geht es um die „wilde Jagd“ der Winter-Stürme. Diese dauern mindestens vom heiligen Abend (24. auf den 25. Dezember) über den Jahreswechsel (31. Dezember auf den 1. Januar) bis zur Erscheinung des Herrn (5. auf den 6. Januar). Nicht nur der Zeitraum weist auffällige Ähnlichkeit auf, auch die Tradition. So kommt das Wort nicht nur von den „rauhen Nächten“ basierend auf den Winden, sondern auch von der Tradition des „räucherns“ gegen die Dämonen, welche wiederum dem alten Wort „rûch“ (haarig) nach ein Fell hatten während sie ihr Unwesen trieben. Da die Dämonen ihr Unwesen trieben sollte man drinnen bleiben, beisammen sein, die Zeit nutzen um sich zu besinnen und zur Abwehr der Dämonen das Haus räuchern. Mit Weihrauch (oder Silvester Böller zünden?).

Kommt einem alles bekannt vor? Dann nehmen wir noch ein Beispiel: Man sollte auch keine Wäsche waschen, weil die Dämonen sich darin verfangen konnten. Wer kennt heute noch eine alte Nachbarin die sich beharrlich weigert zwischen den Jahren Wäsche auf die Leine zu hängen?

Entstehungs-Fazit

Bei der Betrachtung von Weihnachten entdecken wir, wie bei fast allen Traditionen und Feiertagen, auffällige Ähnlichkeiten zu den Traditionen früherer Glaubensrichtungen und Rituale. Wobei die meisten nicht-christlichen Glaubensrichtungen ihre Rituale und Feiertage an den astronomischen Ereignissen des Jahres orientieren. Wintersonnenwende, Jahreswechsel, Tag- und Nachtgleiche sind im Falle von Weihnachten wesentliche Daten die eine Rolle spielen und für die früheren Völker relevant waren. Ernte, Vieh und die Sicherheit der Behausung waren die zentralen Themen die dem Überleben galten, und die somit solche Daten kennen und berücksichtigen mussten.

Weihnachten wie wir es heute kennen ist das Ergebnis eines Jahrtausende währenden Prozesses aus Vermischung und Kristallisation. So hat Martin Luther beschlossen die Gabe von Geschenken von dem vorher katholischen Fest zum Nikolaus auf Weihnachten zu verlegen, weil er die Aufmerksamkeit auf Jesus lenken wollte und weg von den heiligen, welche im evangelischen nicht mehr verehrt werden sollten. Klingt nach einem recht profan kalkulierten Motiv, ist aber nur die Vorstufe gewesen wie wir heute wissen. Heute wird an beiden Tagen geschenkt, und eigentlich geht es heute auch nur noch um die Geschenke. Von den oben aufgezeigten Historien dürfte kaum noch jemand etwas wissen.

Gibt es Weihnachten überall?

Genau wie der christliche Glaube hat sich auch die Tradition von Weihnachten um fast den ganzen Globus verteilt. Auch wenn der christliche Glaube längst nicht von allen ausgeübt wird (Islam, Buddhismus, Hinduismus, Judentum, …) so gibt es doch in einigen Religionen ähnliche oder zumindest zeitlich ähnlich gelagerte Feste.

In Schweden kommt statt dem Weihnachtsmann der „Julenissen“, in Russland nennt er sich „Väterchen Frost“ und die Feierlichkeiten sind teilweise auf den 7. Januar verlegt. In Spanien werden die Geschenke von den heiligen drei Königen gebracht, und das erst am 6. Januar. Dafür macht man zwischen den Jahren Scherze und erfindet Geschichten, beinahe so wie bei uns am 1. April, und beginnen tut die Weihnachtszeit schon am 22. Dezember mit einer Lotterie. In Frankreich nennt sich der Weihnachtsmann „Père Noël“ und die Kinder stellen die Schuhe raus, wie wir am Nikolaus. In den Niederlanden wird eigentlich traditionell Nikolaus gefeiert und Weihnachten nicht so sehr, wobei das derzeit einen Wandel erfährt. Dort gibt es anscheinend Kontroversen über die Verwässerung des Nikolaus durch ein auf Kommerz ausgelegtes Weihnachten.

Wie man sieht gibt es Weihnachten in der ein oder anderen Form an vielen Orten. Allen gemein ist die Vermischung vieler Traditionen und Sitten.

Was macht man Weihnachten?

In Europa und besonders Deutschland haben sich eine Reihe von Traditionen durchgesetzt. Wesentlicher Bestandteil aller Weihnachten: Essen und Geschenke. Beginnend mit dem dem Abend des 24. Dezember (Heiliger Abend) startet das Weihnachtsfest. An diesem Abend kommt die Familie zusammen und es gibt ein Festessen, oder die Bescherung, oder beides. Der 25. und 26. Dezember sind gesetzliche Feiertage (1. und 2. Weihnachtsfeiertag). An diesen beiden Tagen wird ebenfalls die Geselligkeit gepflegt. Einige Familien verlegen die Bescherung auf den Morgen des 25. Dezember. In vielen Haushalten wird auch eines oder mehrere Festessen mit unterschiedlichen Familienmitgliedern oder Freunden auf die Feiertage verteilt. Eine übliche aber abnehmende Tradition ist der Kirchenbesuch am heiligen Abend oder am Morgen des 25. Dezember. Wenngleich die Kirchen zu Weihnachten voller sind als zum Rest des Jahres, ist doch auch hier eine abnehmende Tendenz zu spüren.

Eine häufig geäußerte Kritik, insbesondere der Kirche, ist die starke Kommerzialisierung des Festes. Heutzutage geht es eigentlich nur noch um die Geschenke und die zu veranstaltenden Essen. Die eigentliche Tradition zu Weihnachten sind nicht selten die gestressten Eltern von Kindern die nicht nur die Tage vor Weihnachten mit zahlreichen Besorgungen verbracht haben sondern auch noch gute Gastgeber sein müssen während sie ihre Kinder beschenken. Der Handel verzeichnet jedes Jahr zu Weihnachten Rekordumsätze in Höhen das man die Zeit beinahe als fünftes Quartal bezeichnen kann. Nicht selten ist das vom Arbeitgeber vergebene Weihnachtsgeld dringend nötig um die Ausgaben zu decken. Alles in allem hat das Weihnachtsfest heute nichts mehr mit besinnlichen Zeiten zu tun, und ganz sicher nichts mit der Dankbarkeit an Gott (insofern ist die Kritik der Kirche verständlich). Trotzdem beschwert sich niemand wirklich, weil alle profitieren. Die Kirchen haben die Häuser voll (und die Kollekte auch) und der Handel macht den Reibach des Jahres.

Nur die Familien, die bleiben nicht selten auf der Strecke.

Was soll Weihnachten denn nun sein?

Das ist eine gute Frage. Wenn wir uns die Historie anschauen, und diese in Bezug zu den weltweiten Abweichungen setzen, kann man wohl mit Fug und Recht sagen: jeder kann machen was er will. Wenn wir uns die heutigen Traditionen anschauen, tut das im Grunde auch jeder. Oder auch nicht. Keiner macht was er soll (laut Kirche und Tradition) aber irgendwie auch niemand wirklich was er will (es sei denn man steht auf Stress). Ich mag ein altes Zitat von Gustav Mahler:

Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.

Dem entsprechend würde ich sagen, schauen wir uns die Traditionen an und suchen uns das Beste und Sinnvollste heraus. Zusammen kommen? Ja warum denn nicht. Es gibt schlechtere Gründe gemeinsam Zeit zu verbringen. Natürlich macht es keinen Sinn wenn man sich nur ein mal im Jahr sieht (ist wie mit Muttertag 😉 ), aber andererseits ist es immer noch besser als gar nicht. Das man sich sonst nicht sieht ist ein anderes Problem und hat hiermit nichts zu tun. Ein friedliches beisammen sein, Zeit sich zu besinnen, das scheint mir sinnvoll. Geschenke? Nun, ich finde damit wird es übertrieben. Man kann den Kindern eine Freude machen, aber dann doch auch nur denen. Und jeder wie er mag. Die Verpflichtung und vor allem die mafiösen Beschaffungs-Strukturen die sich in manchen Familien entwickelt haben sind nicht mehr und nicht weniger als Stress für die Eltern. Ist das Weihnachtlich? Ich denke nicht.

Ich mag auch die Tradition der Rauhnächte:

  • Der Winter ist kalt. Viel Zeit drinnen zu verbringen scheint sinnvoll.
  • Wenigstens ein mal im Jahr zur Ruhe zu kommen scheint mir ebenfalls sinnvoll.
  • Zwischen den Feiertagen ist meist nicht viel los in der Wirtschaft, viele haben frei. Warum nicht die Zeit nutzen sich zu besinnen?
  • Das „räuchern“ scheint mir eine gute Methode die eigenen Dämonen zu reflektieren. Man muss nicht mit dem Räucherstäbchen durch das Haus, aber man kann sich hinsetzen und überlegen was man das Jahr über getan hat, was man nicht getan hat, was man tun wollte oder hätte tun sollen. Hast Du genug Zeit mit Deinen Kindern verbracht? Oder vielleicht doch eher hinter der Beförderung her gejagt und warst selten pünktlich Zuhause? Wie geht es eigentlich Deinem Partner? Wäre es vielleicht sinnvoller im nächsten Jahr alle zusammen einen schönen Urlaub zu machen, und öfter mal Zuhause zu sein?

Vergesst die Verpflichtung, nutzt die Tradition lieber zur Inspiration. Und dann feiert Euer eigenes Weihnachten!

Alle zusammen bedeutet auch „alle zusammen!“. Nicht das jemand in der Küche vergessen wird!

 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten

https://de.wikipedia.org/wiki/Julfest

https://de.wikipedia.org/wiki/Sol_%28r%C3%B6mische_Mythologie%29

https://de.wikipedia.org/wiki/Rauhnacht

https://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lf_Weihnachtstage

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsbrauchtum_im_deutschen_Sprachraum

http://www.noz.de/deutschland-welt/gut-zu-wissen/artikel/826200/aberglaube-und-grusel-was-sind-die-rauhnaechte

http://www.kraftvolle-orte.de/2011/12/die-rauhnaechte-mythos-und-brauch-1/

http://www.jahreskreis.info/files/rauhnaechte.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Silvester