Leichte Verwirrung? Schnell erklärt: „heise online“ wird 30 Jahre alt, der „heise Verlag“ wird aber schon 77 Jahre alt.

Warum das besonders ist? Weil es ein Verlag ist der erfolgreich vom Papierdruck in die Digitalität wechseln konnte. Ein Wandel der viele Verlage und Zeitschriften mit aufkommen des Internet vor existentielle Probleme stellte. Und teilweise heute noch stellt.
Ursprung
Heinz Heise gründete den Heise-Verlag schon 1949 in Hannover. Angefangen hat man mit Adress- und Telefonbüchern. Später kamen Themen- und Sachbücher hinzu. Dazu zählten Bücher zum Arbeitsrecht oder zum Baurecht. Später auch Bücher über Elektrotechnik. Mit dieser stetigen Bereitschaft zur Erweiterung und thematischen Neuausrichtung war ein wichtiger Grundstein gelegt, wie sich noch zeigen sollte.
Ein großer Schritt war die Übergabe des Unternehmens an den Sohn, Christian Heise und die Erweiterung um Sachthemen zu IT. Computer und Technik, die sogenannte „c’t“, ist eine Zeitschrift die nach wie vor im Sortiment und vielen bekannt ist. Es kamen immer mehr Zeitschriften hinzu, die jeweils thematisch in eine bestimmte Richtung zielten. Damit wurde die Bandbreite nicht nur größer, sondern man hatte vor allem auch das Know-How zu den aufkommenden neuen technologischen Themen im eigenen Haus.
Ergänzt wurde das Wachstum durch weitere Verlagsübernahmen und Beteiligungen an alternativen Medien wie Radiosendern. Man zeigte sich also stets offen gegenüber anderen Medien als der eigenen Papiergebundenen Abstammung. Ein ebenso wichtiger Faktor wie sich zeigen sollte.
Wandel
Mit dem Internet und den dort zunehmenden Nachrichtenportalen kamen die traditionellen Medien unter Druck. Zeitschriften und Tageszeitungen hatten Release-Zyklen die nicht mit dem Internet mithalten konnten, ganz zu schweigen von enormen Aufwänden und Kosten in der Herstellung. Damit war diese lange etablierte Branche praktisch nicht mehr konkurrenzfähig. Schlimmer noch, gefühlt wurde der Hoheitsbereich der klassischen Medien angegriffen.
Wo früher Tageszeitungen und Nachrichtensendungen darüber entschieden was die Leute erfuhren, konnte sich nun jeder Mensch alles an Informationen minütlich aus dem Netz ziehen. Wo früher Fachzeitschriften entschieden was state-of-the-art war, konnten nun Blogger frei zu allen fachlichen Themen schreiben mit denen sie sich auskannten. Da half auch keine Kritik. Trotz aller Bedenken bezüglich Qualität und Wahrheitsgehalt der neuen Medien, meistens angeführt von den etablierten Kräften, war der Zug der neuen Technik nicht mehr aufzuhalten.
So führten die einbrechenden Absatzzahlen der Papier-Formate zu Handlungsdruck. Welchen Weg man dort beschreiten wollte war seinerzeit viel diskutiert. Selbst von staatlichen Förderungen oder pauschalen Abgaben ähnlich einer GEZ zum Schutz der klassischen Medien war die Rede. Wie so oft führen Branchenrettungen durch Subventionen aber nur zu einer Verzögerung. Letztendlich haben heute alle (verbliebenen) klassischen Medien mindestens auch eine Online-Präsenz, wenn nicht sogar ihre Papier-Version abgeschafft.
Die Monetarisierung der Angebote ist weiterhin ein leidliches Thema. Die meisten sind zu einer Mischung aus frei verfügbaren Artikeln und einem „Plus“-Angebot übergegangen, in denen immer wieder Inhalte nur durch ein Abo verfügbar werden. Ergänzt wird das ganze durch Werbung die geneigte Leser akzeptieren müssen um die freien Inhalte sehen zu können. Bei genauerer Betrachtung also gar kein so großer Unterschied zu früher, nur eben ohne Papier.
Lösung
Das die neuen Medien auch neue Möglichkeiten bieten haben die meisten klassischen Unternehmen leider übersehen. Die Familie Heise hat es da besser getroffen. So wurde mit „heise online“ nicht nur eine reichhaltige Online-Präsenz der diversen fachlichen Themen geschaffen. Man hat es auch durch Abbildung der vorherigen, fachlich ausgerichteten, Zeitschriften in die Online-Präsenz geschafft ein recht übersichtliches Nachrichten- und Fachartikel-Portal zu erstellen das seinesgleichen sucht. Inklusive eigenem News-Ticker.
Ergänzt wurde das ganze noch durch die Nutzung des fachlichen Know-How im eigenen Haus, indem man nicht nur Artikel sondern auch Fachvorträge, Workshops, Fortbildungen, Online-Kurse und E-Learning anbietet. Inklusive Zertifizierung natürlich. Dazu kommen Vergleichsportale in denen man die eigenen Testkapazitäten nutzt um die besten Produkte zu empfehlen, sowie die Unterstützung bei der Digitalisierung anderer Medien wie dem guten alten „örtlichen“, um nur ein Beispiel zu nennen. Ein großer Pluspunkt war wohl die stete Präsenz der eigenen Kompetenz im jeweiligen Thema, was Türen öffnet.
Die Lösung bestand also in einer stetigen Anpassung. Es wurden immer wieder neue Aspekte der neuen Technologien ausprobiert. Es gibt Ableger auf Youtube, als Podcast, diverse Tochter-Online-Zeitschriften und so weiter. Dabei wurden auch mal Ansätze verworfen oder Formate geändert, das gehört dazu. So oder so, sucht man aber immer nach neuen Wegen um in den sich bietenden neuen Möglichkeiten mit den eigene Talenten Fuß zu fassen. Das alles hat „heise“ zu einer echten Instanz in der Medienwelt werden lassen, die sich ihren Namen sicherlich verdient hat.
Heute
Die „heise group“ hat ihren Sitz nach wie vor in Hannover, ist ihrer Abstammung also zumindest geografisch treu geblieben. Was noch spannender ist, das Unternehmen ist nach wie vor in Familienbesitz. Mittlerweile teilen sich die dritte und vierte Generation die Führungsaufgaben der Gruppe. Was beachtenswert ist, denn immerhin sprechen wir mit all den zwischenzeitlichen Zukäufen heute von einer Struktur in der rund 50 verschiedene Unternehmen zusammengefasst sind.
In meinen Augen ein sehr schönes Beispiel dafür wie man ein Unternehmen durch den Wandel der Zeit trägt. Ich hoffe wir werden den Namen Heise auch weiterhin in den Medien-Instanzen vertreten sehen, verdient haben sie es sich!
