Strom tanken? Mega!

Oder wie die Realität die Kritik überholt.

Wenn es um E-Mobilität geht spalten sich die Gemüter. Die einen finden es einen deutlichen Fortschritt, die anderen einen deutlichen Rückschritt. Letztere beziehen sich dabei häufig auf zwei Punkte: Zum einen Reichweite und Ladezeit, zum anderen Umweltbelastung durch die Batterien. Die Umweltbelastung ist ein Thema für sich und ignoriert meistens einen Großteil der Fakten. Die meisten Menschen mit denen ich darüber gesprochen habe mussten zugeben das sie sich nie selber mit all den Betriebsmitteln eines Verbrenners auseinander gesetzt haben. Vom massiven Motorblock bis zu all den an Kraftübertragung und Steuerung beteiligten Komponenten und Schmierstoffen kommt einiges zusammen, von dem eine Menge schlichtweg Verbrauchsmaterial ist. Hierzu überwiegen leider einseitige Berichte die eher an Lobbyarbeit erinnern aber gerne geglaubt werden.

Reichweite und Ladezeit waren aber mal ein Punkt. Auch hier sieht man leider viel Lobbyarbeit und Vorurteile, wenig realistische Vergleiche. Das tägliche Verkehrschaos wird in der Regel von eine hohen Anzahl an Pendlern verursacht, die berühmte Rush-Hour. Diese Pendler bewältigen auf dem Weg zur Arbeit täglich eine Strecke die sich im zweistelligen Bereich an Kilometern bewegt. Solche Strecken können E-Autos schon sehr lange bewältigen. Auch hier, viele der Menschen mit denen ich gesprochen habe mussten irgendwann zugeben das sie mit ihrem Verbrenner ohnehin keine Langstrecke mehr fahren. Arbeit, Einkauf, Ausflug, alles machbar. In den Urlaub geht es mit dem Flieger, und schon stellt man fest, die Reichweite reicht eigentlich.

Die Reichweite blieb aber ein Punkt in vielen Anwendungsbereichen. Lastverkehr und Unternehmen die mit größeren Fahrzeugen arbeiten, zum Beispiel. Der Fernfahrer und der Handwerker haben eines gemein: sie bewegen ernsthafte Lasten und sie finden nicht überall eine Ladesäule. Außerdem können sie nicht stundenlang warten bis geladen wurde. Doch genau hier ist die Realität dabei die Standpunkte der Medien zu überholen.

Megawatt-Laden

Wie so oft derzeit, die chinesischen Hersteller machen es vor. Selbst für PKW bieten BYD und co. bereits ordentliche Reichweiten in ihren E-Autos, und ganz nebenbei auch kurze Ladezyklen. Da wird im ein- bis niedrig zweistelligen Minutenbereich ein Akku auf 80% geladen. Kurze Pause an der Raststätte, die Beine vertreten, Entsorgung, dann ist das Auto auch wieder geladen. Wenn man noch einen Kaffee trinkt braucht man für die Pause schon länger als der PKW für die Ladung.

Im Lastverkehr gelten aber andere Anforderungen. Ein 40-Tonner braucht bergauf einfach deutlich mehr Leistung als ein PKW. In diesem Bereich hatte ich bisher immer ein Lücke für den eventuellen Einsatz von Wasserstoff gesehen, auch wenn der einen furchtbar schlechten Wirkungsgrad in der Herstellung hat. Das wäre für mich eine Interims-Lösung gewesen, doch nun haben die Hersteller hier bereits Fakten geschaffen die solche Interims-Lösungen überflüssig machen.

Die Lösung in beiden Bereichen nennt sich Megawatt-Laden. Man erstellt einfach Ladesäulen, die mit hohen Spannungen und Strömen das Fahrzeug in kurzer Zeit laden können. Das erfordert natürlich eine entsprechende Energieversorgung und ist somit nicht zwingend für jeden Privathaushalt geeignet. Muss es aber auch nicht. In meinem Privathaushalt kann das Fahrzeug über Nacht langsam laden. Lediglich unterwegs, an der Autobahn, muss ich schnell laden können. Und gegebenenfalls auch große Mengen, wie beim Lastverkehr. Genau solche Lade-Infrastruktur wird aber bereits gefördert und ausgebaut, zumindest an den Autobahnen in Europa.

Mit der Megawatt-Säule habe ich also eine Quelle die schnell Energie zur Verfügung stellt, nun braucht es noch LKW die entsprechende Laufleistung, sprich Akku-Kapazität, verbaut haben. In diesem Bereich sind europäische Hersteller immerhin mit an Bord, Testfahrten gab es bereits auch von deutschen Autobauern. So hat Mercedes in seinen Testfahrzeugen nicht nur Reichweiten von 1000 Kilometern erreicht, und nebenbei die Erwartungen übertroffen, sondern man hat nun auch Ladestationen die solch eine Laufleistung selbst für Lastverkehr in 45 Minuten wieder aufladen kann. Diese 45 Minuten mögen viel klingen, aber es gilt zu bedenken das die Fahrer ohnehin Pausen machen müssen. Kein Mensch fährt 1000 Kilometer am Stück, und erlaubt ist es auch nicht.

Fazit?

Die Technik entwickelt sich, ich denke Interims-Lösungen brauchen wir nicht mehr. Mit Blick auf das Tempo und die Richtung die wir hier in der Entwicklung sehen wird es auf absehbare Zeit immer mehr Lösungen elektrischer Art für immer mehr Anwendungsbereiche geben. Somit wird es eine Frage der Zeit sein bis wir auch den Lastverkehr ernsthaft auf elektrischen Antrieb umstellen können. Mit Blick auf die Tatsache das wir bezüglich Benzin und Diesel schon lange Import-Land sind, und somit abhängig von Geo-Politik, macht es strategisch gesehen absolut Sinn sich davon zu lösen. Sofern wir das nicht tun, wird unsere Wirtschaft weiterhin von den Handlungen fremder Nationen und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Öl-Preise abhängig sein.

In diesem Kontext sehe ich in der Umstellung auf elektrische Lösungen derzeit eher Wettbewerbsvorteile. Die Unternehmen die vorne dabei sind, gewinnen auch den Vorteil schneller.

wikipedia.org: Ladestation

wikipedia.org: Megawatt Charging System

wikipedia.org: Combined Charging System

heise.de: Megawatt-Ladenetz für E-Lkw an Autobahnen

heise.de: 1000 Megawatt-Ladesäulen würden fast reichen​

heise.de: E-Lkw für über 1000 km elektrisch am Tag

golem.de: Eon und Tank & Rast sollen E-Lkw-Ladenetz aufbauen

eon.com: Förderung für europäisches Megawatt-Ladenetz