Ein kleines Wortspiel rund um den Herbst einer ehemals dominierenden Chipfabrik. Warum es ein Herbst ist? Weil es Zeit wird sich auf einen Winter vorzubereiten.

Die ehemals in der Welt der Computerchips führende Firma Intel ist dieser Tage vielfach in den Medien, meist nicht positiv. Der Grund ist relativ offensichtlich, man hat die Führung nicht verteidigen können. Als ich dieser Tage las das man eine Reihe alter Chips von vor drei Jahren wieder auflegen will konnte ich das Gefühl von Ausverkauf nicht mehr abschütteln. Wie kommt man von einer so führenden Position das man vom Kartellamt beobachtet wird, zu einer Rede des CEO an die Mitarbeitenden das man die Konkurrenz nicht mehr einholen kann? Zeit für einen Blick auf die Sache.
Was macht Intel eigentlich
Intel war und ist eine führende Institution für CPU’s (central processing unit), also die Hauptprozessoren in einem Computer die für alle Arten allgemeiner Berechnungen zuständig sind. Daneben gibt es noch die GPU’s (graphics processing unit), das sind die Grafikprozessoren die berechnen was auf dem Bildschirm dargestellt wird.
Früher waren GPU’s nicht so relevant, schon weil die Bildschirme nicht viel darstellen konnten. Mit besseren Bildschirmen entstand der Bedarf an besseren Darstellungen. Vor allem komplexe räumliche Darstellung und 3D-Visualisierung war ein Thema. Nicht nur im professionellen Umfeld wie Architekten und Ingenieure mit CAD-Software (computer-aided design) die Bauteile und ganze Gebäude entwarfen, auch in der Visualisierung von Landschaften, Szenen oder ganzen Filmen und Computerspielen war mit fotorealistischen Darstellungen ein großer Markt vorhanden.
Für diese Darstellungen waren komplexe Berechnungen notwendig. Zum Beispiel beim ray tracing wurden für eine sichtbare Fläche alle potentiellen Lichtstrahlen und Sichtlinien durch die Szene verfolgt um zu berechnen wie ein Objekt aussieht und ob es vom Betrachter aus überhaupt zu sehen ist. Inklusive aller möglichen spiegelnden Effekte. Somit mussten auch sämtliche Oberflächen mit berechnet werden.
Diese Berechnungen wurden auf immer weiter optimierten Chips, den GPU, durchgeführt. Außerdem konnte man die Berechnungen gut parallel durchführen, ganz im Gegensatz zu vielen Aufgaben einer CPU. Das führte dazu das die GPU zu wahren Künstlern der parallelen Verarbeitung komplexer Berechnungen wurden.
Hier entstanden neue Firmen wie NVIDIA und ATI (später von AMD übernommen) die sich auf diese GPU-Chips konzentriert haben. So weit so gut.
Warum GPU ein Problem sind
Zu einem Problem für die etablierten CPU-Hersteller wurde das erst als man feststellte das die GPU’s auch sehr gut für andere Dinge geeignet sind. Viele wissenschaftliche Anwendungen müssen ebenfalls komplexe Berechnungen durchführen die parallel ablaufen können. Alles was mit Strahlen oder Frequenzen zu tun hat kann zum Beispiel ebenfalls vom ray tracing profitieren. Alle 3D-Berechnungen sind sowieso ein Heimspiel. So wurden immer mehr Berechnungen auf die GPU ausgelagert. NVIDIA hat auch gleich einen schönen Satz an Software bereitgestellt um das zu unterstützen.
Der erste richtige Warnschuss kam mit den Crypto-Währungen. Als der Bitcoin populär wurde fanden die Mining-Berechnungen auf der GPU im eigenen PC statt. Später auf separierten Systemen in die einfach viele handelsübliche Grafikkarten gesteckt wurden, noch später auf Systemen in denen nur noch viele spezielle Chips dafür verbaut wurden. Spätestens hier wurde das Potential der spezialisierten Chips deutlich.
Doch leider war es für Intel augenscheinlich zu spät den Vorsprung der anderen einzuholen. Man hatte inzwischen selber Grafik-Chips im Angebot, die aber nicht mit der Leistung der Konkurrenz mithalten konnten. Sie taugten für reguläre grafische Darstellung am klassischen Büro-Arbeitsplatz oder hier und da für Spiele, aber sie drangen nicht in den High-End Bereich vor.
Spätestens mit dem Auftritt der KI und der Erkenntnis das man auch hier viele komplexe Berechnungen parallel durchführen konnte wurde eins klar: diejenigen die vorne mitspielen setzen alle auf NVIDIA. Damit begann er, der Siegeszug der NVIDIA-Aktie. Und der Abstieg der Intel-Aktie.
Und nun?
So schlecht stehen die Aktien eigentlich gar nicht. Okay, schlechtes Wortspiel, die stehen wirklich schlecht. Aber Intel hat nach wie vor einen nicht unerheblichen Marktanteil in der CPU-Welt. Ganz abgesehen davon das es ja noch andere Felder gibt. In praktisch jedem Gerät stecken Prozessoren. Ob nun Handy, Fernseher oder Waschmaschine. Ganz zu schweigen von Autos, da gleich eine ganze Menge. Intel sollte einiges an Erfahrung haben und sich in dem ein oder anderen Feld behaupten können.
Dann wäre da noch die Fertigung. Intel ist einer der ganz wenigen die ihre Chips selber produzieren. Die meisten Firmen haben ihre Fertigung ausgelagert, und zwar nach Taiwan. Deswegen ist die Firma TSMC (Taiwan Semiconductor Manufactoring Company) zusammen mit NVIDIA so aufgestiegen, weil sie deren Chips herstellen. Und wenn man sich nun die politischen Spannungen rund um Taiwan ansieht, und parallel dazu die massiven Bemühungen der derzeitigen US-Regierung alle denkbaren Industriezweige zur heimatlichen Produktion in den USA zu zwingen, dann hat man doch eigentlich einen ziemlichen guten Joker in der Hand, oder? Wie ist das zum Beispiel mit Chips für sicherheitskritische Bereiche oder den militärischen Bedarf?
So oder so, es bleibt spannend. Ich denke Intel hat einen steinigen Weg vor sich. Wann genau die Talsohle erreicht ist (oder ob sie schon erreicht ist) wird man erst im Rückblick sicher sagen können. Im Blick behalten sollte man die Geschichte aber. Nicht nur weil es spannend sein wird welchen Weg Intel geht, sondern auch weil es sicherlich die ein oder andere Lektion daraus zu lernen gibt. Ein spannender Fall beobachtbarer Firmengeschichte.
heise.de: Intel legt 3,5 Jahre alte Prozessoren neu auf
heise.de: Intel-Chef: Nvidia ist beim KI-Training nicht mehr einholbar