Motivation

Nachdem ich Eingangs schon ein paar Gedanken und die Motivation für diesen Blog beschrieben habe, will ich eine einfache Frage in den Raum stellen. Eine Grundlagenfrage. Der Frage schlechthin. Der Frage die doch eigentlich jeder beantworten können sollte, und die vermutlich viele nie bedacht haben. Und wie es immer ist, ist das Einfachste das schwierigste daran.

Was ist meine Motivation? Was bringt mich in Schwung? Was lässt mich loslaufen? Was lässt mich die Zeit vergessen, was lässt mich „nur noch schnell die eine Sache machen“, und was lässt mich dann nächtelang durcharbeiten, weil ich einfach endlich das verdammte Ziel finden will? Was lässt mich einschreiten an Stellen an denen ich weiß das es besser wäre den Mund zu halten? Oder was lässt mich still halten an Stellen an denen alles in mir danach schreit etwas zu tun? Was lässt mich sogar dann noch weitermachen wenn ich eigentlich schon am Ende bin? Was lässt mich einfach nicht aufgeben?

Einfach ist die Frage schon deswegen nicht, weil wir an den eben gestellten Fragen bereits sehen das sie sich in viele komplexe Themen zerlegen lässt, oder durch die Schichten hindurch wächst sofern man die Fragen in Schichten aufteilen kann.

Da wäre auf der einen Seite die Frage was mich tagtäglich aufstehen lässt, was mich loslaufen lässt, was mich arbeiten lässt. Sozusagen die Motivation im kleinen, die Motivation im Alltag, vielleicht Dinge die mir einfach Spaß machen, aber auch die Motivation die mich nach dem Augenverdrehen die Aufgabe trotzdem anpacken lässt.

Wobei wir spätestens mit letzterem schon in ein anderes Extrem schwenken. Denn auf der anderen Seite geht es bis hin zu der Frage was mich generell motiviert, was mich auch unterscheiden lässt in richtig und falsch, was mich unterscheiden lässt in gut und nicht so gut, was mich dann aber auch die nicht so guten Sachen wieder überwinden lässt weil ich vielleicht etwas anderes gutes erreichen will. Verschiedene Richtungen, die sich bereits überschneiden und verdecken, und bei denen jedem vermutlich schon neue Fragen, Richtungen und Themen einfallen, wobei am Ende die Einflüße auch schwer abzugrenzen sind. Die Motivation im großen kann schnell durchschlagen auf die Handlungen im kleinen, und umgekehrt. Vielleicht werfe ich mein Werkzeug weg und mache Feierabend, weil meine großen Maßstäbe sagen das Familie wichtiger ist als Arbeit, oder ich arbeite weiter obwohl meine Kinder mit mir spielen wollen, weil ich weiß das wir morgen das Geld brauchen für ein schönes Heim, wobei je nach dem ob mir Kinder oder die Arbeit mehr Spaß machen, die Motivationen einander überlagern. Wenn wir jetzt noch den Wunsch nach Karriere der zu allem parallel verläuft in die Überlegung einbeziehen, …

Dem einen ist es die Freude an der Bastelei, die pure Freude eine Lösung für ein Problem zu finden. Dem anderen, der die Bastelei nicht leiden kann, ist es der große Plan einer Karriere, welcher Art auch immer. Er möchte vielleicht der Technik-Guru, oder aber der Chef der Technik-Gurus werden. Wie auch immer, er schluckt die Pille weil sie ihm auf dem Weg zum Ziel einfach im Weg liegt, und statt dessen ein Stein in der Treppe bilden soll. Mancher hasst vielleicht die Bastelei, aber liebt es wenn er etwas fertigstellt. Andere denken vielleicht gar nicht an ihre Aufgaben, sondern an ihre Familie und deren Versorgung oder an ihr Hobby und dessen Finanzierung, was sie jede Pille schlucken lässt, wobei ihnen die Pillen langfristig eigentlich egal sind, hauptsache die Kinder bekommen eine gute Ausbildung oder der Sportler kann sich das neueste Equipment leisten, was man im Job macht ist dabei doch egal. Jeder hat seinen Grund, sowohl jeden Morgen aufzustehen, als auch zu beurteilen was gut oder schlecht ist, oder mancher hat für jeden Fall einen eigenen Grund und muss die Kollisionen dann ständig aufs neue auflösen.

Dabei beziehen wir uns bisher aber nur auf eine Person und die Dinge die sie direkt betreffen. Spätestens wenn es uns oder unsere Motivation nicht direkt betrifft, und wir trotzdem nach unserer Meinung gefragt werden, brauchen wir weitere Gründe, weitere Maßstäbe, weitere Motivationen an denen wir die Dinge messen und ausrichten können. Glaube, Ethik, Moral, Gesetz, Prinzipien, Erziehung, persönliche Richtlinien oder Erkenntnisse, was auch immer. Jeder muss sich an irgendwas messen und daran urteilen können, sonst ist es praktisch unmöglich eine Linie zu halten oder ein Ziel zu verfolgen. Wie schon Konfuzius nach Meinung seiner Schüler gesagt haben soll:

Der Meister sprach: »Der Mensch lebt durch Geradheit. Ohne sie lebt er von glücklichen Zufällen und Ausweichen.«

Oder wie Eisenhower, der sich nach eigener Angabe für genau einen Maßstab entschieden hat:

I have one yardstick by which I test every major problem – and that yardstick is: Is it good for America? (Dwight D. Eisenhower)

Wobei Eisenhowers Maßstab, vermutlich auch auf Grund der kurzen Ausdrucksweise, ein wenig hinkt, aber das wollen wir ihm und den Notwendigkeiten politisch-publizistischen Auftretens vergeben. Dennoch, es drängt sich automatisch die Frage auf was denn nun gut für (in diesem Fall) Amerika ist? Das hängt doch davon ab wo Amerika hin will, und was Amerika will. Also irgendwie auch davon was Amerika antreibt, sozusagen von der Motivation Amerikas. Nun, um diese Frage scheinen wir nicht rum zu kommen.

Whats my Motivation? What makes me Tick? Eine komplex-konfuse Frage, die jeder Organismus (und Superorganismus) für sich selbst beantworten muss: Wo will ich hin? Wie will ich leben? Was will ich vertreten?

Eine schöne Beschreibung eines gefunden „Ticks“ fand ich vor einiger Zeit hier. Vermutlich weil ich vieles darin an mir selbst fand. Ohne die Frage jedoch für mich selbst jemals abschließend beantwortet zu haben. Der oben beschrieben Tick reicht für mich als Erklärung nicht aus. Hinzu kommt: Menschen ändern sich, und diese Frage wird sich mit ihnen ändern.

Trotzdem, oder vor allem deswegen, ist es die wichtigste Frage überhaupt. „wieso, weshalb, warum“ ist eine Sache, aber was ist mit dem „wofür“? Was mit dem „für was“?  Was mit dem „wie“ und vor allem auch mit dem „wo hin“???

Ich glaube eine meiner größten Motivationen ist es, die Antworten auf diese Fragen zu finden. Wobei selbst die Fragen schon jedem einzelnen etwas anderes bedeuten können. Aber das ist auch gut so. Und was falsch ist, und was richtig, ist ohnehin eine gigantisch ungeklärte Frage. Nietzsche befand schon in seiner „Genealogie der Moral“ die bloße Frage nach der Herkunft der Moral einer ganzen Abhandlung wert. Wer wären wir da, die Frage nach der „richtigen“ Moral in einem einzigen Menschenleben beantworten zu wollen, wo sich Generationen von Geistern daran scheiden?

Dennoch brauchen wir alle unsere Maßstäbe, und es wäre sicher besser auch zu wissen was einen selber wirklich antreibt. Man sollte es wissen. Wie sollen wir sonst Entscheidungen fällen, wenn wir gar nicht wissen was gut oder schlecht ist, weil wir nicht wissen wo wir eigentlich stehen oder wo hin wir wollen?

Ergo: What makes you tick? …

MfG

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