CPO?

Nein, nicht C3PO, sondern Chief Philosophy Officer.

Brauchen wir mehr Philosophie in den Entscheidungsebenen? Wenn man dem neuesten C-Level-Kürzel glauben mag, ja. Und es gibt einige Argumente dafür.

C-Was?

Zunächst einmal kurz was ein C-Level ist. Da gibt es im angloamerikanischen Sprachraum so einige. CEO ist ein Chief Executive Officer, also Geschäftsführung. Dann gibt es einen CFO für die Finanzen, einen CTO für die Technik und so weiter. Einen CPO gibt es auch, für Produkte. Generell wird manchmal darüber geschmunzelt wie inflationär die C*O-Ebene genutzt wird und wie viele sie gerne auf der Visitenkarte haben. Klingt ja auch toll. Nun soll es einen neuen CPO geben, einen Chef-Philosophen sozusagen. Macht das Sinn?

Was macht ein Philosoph?

Nun, Philosophie ist die Liebe zur Weisheit. Das allein sollte vermutlich schon reichen um zu sagen: ja, Weisheit bei Entscheidungsträgern, das macht Sinn. Aber es gibt noch ein paar Argumente. Philosophen hinterfragen die Welt wie sie ist, versuchen grundlegende Fragen zu klären wie zum Beispiel was eigentlich „gut“ ist. Denn was gut ist und was nicht gut ist, ist für die meisten von uns situationsabhängig. Wer von uns hat sich jemals gefragt ob es ein generelles Gutes gibt? Was der langfristige Zweck und tiefere Sinn von allem ist? Was ist der Sinn des individuellen Lebens? Und dann der Gesellschaft, der Menschheit, unserer Firma oder unseres Staates?

Klingt zu hoch gegriffen? Mitnichten. Denn Gedanken darüber leiten unmittelbar Gedanken über zukünftige Entwicklungen ab und wohin wir uns besser bewegen sollten oder besser nicht bewegen sollten. Manche der Richtungen und Strömungen die wir Menschen eingeschlagen haben waren im Rückblick nicht so klug, wären mit dieser Denkweise aber auch vorher schon als nicht so klug einschätzbar gewesen. Manche Wege verbieten sich einfach schon aus logischer Sicht, wenn man die Lampe hoch genug hängt und die Welt von außen betrachtet. Genau das versuchen Philosophen zu tun. Sie sind natürlich keine Hellseher und finden auch nicht immer die richtigen Antworten, aber sie stellen meistens echt gute Fragen.

Sokrates

Kommen wir zu einem Philosophen der unsere heutige Philosophie maßgeblich geprägt hat. Sokrates hat mit den sokratischen Dialogen gewissermaßen die Blaupause des forschenden Gesprächs gebildet, in dem für alle Beteiligten der Gewinn das Ziel war, und nicht der Sieg. Es ging um Erkenntnisgewinn und Horizonterweiterung, nicht um Konflikt. Automatisch wird damit der Sachverhalt neu beleuchtet und tiefer ergründet, was keiner C-Ebenen-Entscheidung schaden kann. Das erinnert ein wenig an den Advocatus Diaboli, oder wie wir heute gerne sagen den Sparringspartner. Jeweils abgeschwächte oder leicht abgewandelte Formen, aber durchaus gängige Praktiken die wir hier und da pflegen.

Ein Schüler Sokrates war Platon. Dieser hatte einige einschneidende Erlebnisse in seinem Leben. So musste er eine Regierung erleben die aus seiner Sicht nicht „gut“ war, und die Hinrichtung seines Lehrers Sokrates. Alles in allem brachte ihn das zu der Erkenntnis das für ihn eine Mitarbeit in einer solchen Regierung nicht vertretbar ist. Gleichzeitig folgte die Erkenntnis das es besser wäre wenn Regierungen auf Philosophen hören würden, noch besser jeder Politiker sich mit Philosophie befassen würde oder die Regierung gleich aus Philosophen bestünde.

Geht das nicht zu weit?

Verdenken kann man es ihm nicht. Wünschen wir uns nicht alle das unsere Führungskräfte weise sind? Sie sollen gute Entscheidungen treffen, uns gut anleiten können, viel verstehen können, über Einwände nachdenken, gut vermitteln können, gut reden können, und bestenfalls erweisen sich ihre Entscheidungen sogar später noch als richtig. Über die konkrete Ausgestaltung nach Platon mag man einen durchaus sokratischen Dialog führen können, aber gewisse Eigenschaften eines Philosophen wünschen wir uns doch alle in unseren Entscheidungsträgern, oder?

In diesem Sinne scheint ein CPO vielleicht nicht die beste Wortwahl zu sein. Schon wegen der vielen vorhandenen C*O’s. Aber eine philosophische Instanz als beratende Stelle in den entscheidenden Gremien, oder zumindest ein gewisser philosophischer Einfluss, das scheint mir definitiv keine schlechte Idee zu sein.

So oder so, Philosophen bringen einen neuen Blickwinkel ein. Und das kann nie schaden.

manager-magazin.de: Philosophen in die Chefetagen – sie machen den Unterschied

forbes.com: Why Your Board Needs A Chief Philosophy Officer

linkedin.com: Sagen, was ist. Zur Rolle des CPO Chief Philosophy Officer

cpo-blog.com

wikipedia.org: CPO

wikipedia.org: Chief Product Officer

wikipedia.org: Sokrates

wikipedia.org: Platon