Krise ist nicht schlimm

fühlt sich nur so an.

Aber was ist eigentlich eine Krise?

Definition: Eine Krise (lateinisch Crisis) ist im Allgemeinen ein Höhepunkt oder Wendepunkt einer gefährlichen Konfliktentwicklung in einem natürlichen oder sozialen System, dem eine massive und problematische Funktionsstörung über einen gewissen Zeitraum vorausging und der eher kürzer als länger andauert. (Wikipedia)

Aha! Das klingt gar nicht so als wenn die Krise das Problem ist. Die Krise ist der Höhepunkt oder sogar der Wendepunkt in einem Zeitraum in dem etwas nicht stimmt. Also markiert die Krise eher den Punkt an dem es bald vorbei ist, das Problem das wir vorher die ganze Zeit hatten. Dann ist Krise die Lösung!

Ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Für gewöhnlich haben wir stabile Systeme. Zumindest strebt die Natur danach. Da wir Menschen ein Teil der Natur sind (oder zumindest aus dem gleichen System stammen) streben wir ebenfalls danach. Eine natürliche Ordnung sozusagen, ein Gleichgewicht.

Wenn wir ein solches System haben, läuft es so lange gut, bis sich die Bedingungen ändern. Ein Unternehmen funktioniert super, bis ein Konkurrent ein verbessertes Produkt auf den Markt bringt. Jetzt haben sich die Bedingungen verändert, wir haben eine Konfliktsituation. Das merken wir aber anfangs nicht. Eine Zeit lang läuft alles weiter wie gehabt, bis unsere Kunden weniger werden. Wir forschen warum, wir finden die Ursache, wir beginnen nach Lösungen zu suchen.

Ob wir die Situation dann als Krise bezeichnen hängt vom Zeitfaktor ab. Dauert die Suche nach einer Lösung so lange das unsere Firma Stellen abbauen muss, bezeichnen wir das gerne als Krise. Finden wir aber die Lösung bevor es zum Stellenabbau kommt, sagen wir die Krise konnte abgewendet werden. Wir sind uns also durchaus der Krisensituation bewusst.

An welchem Punkt wir eine Situation als Krise bewerten hängt auch von der individuellen Wahrnehmung und dem ein oder anderen rhetorischen Faktor ab (strategische Aspekte in der Aussendarstellung lasse ich hier bewusst aussen vor). Mindestens ebenso oft wird die Krise als das Problem gesehen. Was wir aber gerne vergessen ist die Tatsache, das die Situation die eine Krise auslösen kann, schon vor der Krise existiert. Sie kann sogar schon sehr lange vorher existieren.

Krisen können nur entstehen wenn Systeme aus dem Takt kommen. Das geschieht wenn sich Bedingungen ändern. An veränderte Bedingungen muss man sich anpassen. Eine Krise zeigt mir also nur das es etwas gibt das ich übersehen habe. Da stimmt etwas nicht in meinem System. Ich muss Anpassungen vornehmen. Sie ist ein Warnzeichen, und zwar das letzte Warnzeichen. Wenn ich an dem Punkt nicht reagiere, dann kommt als nächste Phase die Katastrophe.

Wir sollten Krise also mehr als das betrachten was es ist: da stimmt schon länger was nicht, wir habe bisher keine funktionierende Anpassung vorgenommen, jetzt geht die rote Lampe an. Jetzt wird es Zeit, sonst wird es schlimm.

Die Krise ist wie unser bester Freund der uns zur Seite nimmt und sagt „Hey, Du solltest jetzt wirklich mal darüber nachdenken wie es weiter gehen soll, bevor Du hier richtig was kaputt machst“. Und dann kommt der Wendepunkt!

https://de.wikipedia.org/wiki/Krise