Warum sind Datensammlungen und Überwachung schlecht?

Ja, warum eigentlich? Mir fallen zwei Gründe ein. In beiden Fällen geht es um Mißbrauch.

Der erste Fall lässt sich noch relativ leicht abwenden: Mißbrauch durch Mitbürger. Hierbei werden die von mir eingestellten Inhalte von anderen kopiert und/oder zweckentfremdet. Nehmen wir zwei Fälle eines sehr bekannten Beispiels.

Daten-Diebstahl: Wenn Facebook-Fotos auf Pornoseiten landen

Eltern, stellt keine Kinderfotos auf Facebook!

Dem folgen immer ausgefeiltere Suchmechanismen

Social-Graph-Suche

Die immer mehr Missbrauch immer leichter machen. Das ist nichts neues. Wer von uns hätte früher die Bilder seiner Kinder, oder Fotos der letzten durchzechten Nacht, an das Schwarze Brett im Ort, der Kirche oder der Uni gehängt? Wer hätte diese Bilder in der nächsten größeren Tageszeitung veröffentlicht? Wohl eher wenige. Heute ist es das gleiche, nur das Publikum und die Nachhaltigkeit ist wesentlich größer geworden.

Was muss ich tun? Ich muss mir überlegen was ich im Netz zur Verfügung stelle. Und ich muss die Einstellungen und Sicherheitsmechanismen der von mir genutzten Anwendungen sorgfältig prüfen. Mache ich dabei einen Fehler, muss ich mich nicht wundern wenn ich meine Daten an Stellen finde, an denen ich sie nicht vermutet hätte. Ich sollte mir auch überlegen welchem Anbieter ich überhaupt meine persönlichsten Dinge anvertrauen will.

Damit kommen wir zum anderen Extrem, dem Mißbrauch durch Staaten und Unternehmen. Wie wir mittlerweile wissen, überwachen die Staaten eine ganze Menge, und die Unternehmen speichern eine ganze Menge. Wo ist das Problem?

Ja richtig, wenn der Staat jeden Menschen jederzeit überwachen kann, sind wir alle sicher. Zumindest vor Terroristen. Zumindest theoretisch. Praktisch wissen wir ja, das es so etwas wie absolute Sicherheit nicht gibt. Auch in einem komplett überwachten Staat, wird es Menschen geben, denen es gelingt sich zu entziehen. Und das ist auch gut so.

Warum ist das gut so? Weil all die überwachenden und kontrollierenden auch nur Menschen sind. Mit all den Fehlern und Eigenheiten die ein Mensch eben hat. Nur mit dem Unterschied, das diese Menschen nun schlagartig über ein fast grenzenloses Machtinstrument verfügen.

Am Anfang hat sich niemand was böses dabei gedacht. Nur sehr wenige haben ein paar Schreckgespenster an die Wände gemalt, und niemand hat sie wirklich beachtet. Die Veränderungen kamen ja auch nicht über Nacht, sondern Stück für Stück. Die wenigsten Regime und Diktaturen sind über Nacht entstanden, es war immer ein Weg der dahin führte. Wir Deutschen sollten das wissen. Wie konnte es in unserem Land zu all diesen Ereignissen kommen, mit denen wir heute noch gebrandmarkt sind? Es kam Stück für Stück, Schritt für Schritt, und das Verhältnis zwischen Widerstand und Macht wog immer schwerer auf Seiten der Macht, bis es zu spät war.

Nun stelle man sich vor, was passiert wäre, wenn es damals die Mittel gegeben hätte die wir heute haben. Lieber nicht? Aber wir sind doch gerade dabei diese Werkzeuge zu schaffen und zu perfektionieren. Die Grundlagen und Argumente haben wir auch schon geschaffen. Damals gab es Gründe um Menschen einfach wegzusperren. Und heute? Auch. Schreibe einem Menschen das Wort Terrorist auf die Stirn, und er verliert sämtliche Menschenrechte. Klingt übertrieben, aber das ist Stand heute.

Wer geneigt ist das hier alles zu lesen, möge sich fragen wie viel die großen von einem wissen sollen, und wie viel Macht ein Staat haben soll. Und am Ende, möge man sich fragen wohin die Reise in Zukunft gehen wird, und welche Richtung wir hier derzeit einschlagen.

Ein hartes Beispiel, aber es ist so sinnbildlich: Fefe’s Gedanken zu Datensparsamkeit.

Andere machen in der Zwischenzeit schon ganz normal Fehler, die heutzutage kaum noch für Aufsehen sorgen: Kanada zahlt Entschädigung nachdem sie ihren Staatsbürger nach Syrien schafften, damit er ordentlich verhört werden konnte. Syrien! Um ihn zu verhören!!! Man lasse sich das auf der Zunge zergehen …

Acht Jahre Haft, für etwas das man nicht getan hat? Acht Jahre??? Als ich die letzten Male von solchen Sachen hörte, mussten die Betreffenden den Einsatz bezahlen, und gegebenenfalls Sozialstunden leisten. Spätestens das war in der Regel Abschreckung genug für etwas das bei vielen noch als Dummer-Jungen-Streich gillt. Man mag sich streiten ob solche Dinge nicht härter bestraft werden sollten, aber acht Jahre Haft?

Geht aber schnell: Terror-Verdacht wegen falsch verstandener SMS, da hätte der Mensch mit den acht Jahren beinahe Gesellschaft bekommen.

Und es gibt unzählige Beispiele dazu. Wer geneigt ist: nutze eine Suchmaschine seiner Wahl, verwende die Begriffe „Irrtum“ und „Terrorverdacht“, und erfreue sich. Einfach mal probieren, es gibt genügend Lesestoff für ein paar verregnete Tage.

Wenn man nun bedenkt das die EU in die gleiche Richtung marschiert, dann ist das hier schon wieder eher tragisch, als lustig, auch wenn ich diese Art Humor mag: Equador will USA Geld spenden, zur „Förderung der Menschenrechte“. Das nenn ich mal Ironie. Das Geld brauchen die letztendlich aber auch, die haben ja was zu verwalten: Black-Site Gefängnisse

Zu guter letzt noch ein gruseliges Interview in zwei Teilen: Terrorliste der USA, Amerika zum autoritär regierten Staat, und ein schöner Artikel dazu: Guerilla-Methoden?

An solchen Stellen muss ich immer wieder an ein Zitat denken:

The problem in defense is how far you can go without destroying from within what you are trying to defend from without. (Dwight D. Eisenhower)

Und deswegen sind all diese Sammlungen und Überwachungen nicht gut: Weil sie zu viel Macht an einem Ort vereinen, und kleine Fehler an diesem einen Ort zu große Auswirkungen haben können, ganz zu schweigen davon das in logischer Konsequenz ein Missbrauch dieser Macht viel zu leicht wird. Aus ähnlichen Gründen haben die Menschen vor langer Zeit unter anderem die Monarchie abgeschafft.

Damit wird das ganze Thema zu einer Grundsatzfrage: wollen wir frei sein, oder sicher? Freiheit bedeutet immer ein gewisses Risiko. Auch dazu hat Eisenhower mal etwas gesagt:

If you want total security, go to prison. There you’re fed, clothed, given medical care and so on. The only thing lacking… is freedom. (Dwight D. Eisenhower)

Ich bin lieber frei, als im Gefängnis. Die Suche nach völliger Sicherheit, kann meiner Meinung nach nur zu einem goldenen Käfig führen.

Ich würde sagen, Amerika hat seinen „Krieg um die Freiheit“ schon verloren, sie haben sich selbst geschlagen. Ich finde wir sollten ihn nicht auch noch verlieren. Wir müssen ja nicht alles mitmachen.

MfG

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